Freitag, 31. Dezember 2010

Theaterbesuche und Rezensionen 2010

Jahresrückblicke sind mir meist zuwider. Aber ich liebe Listen. To-Do-Listen. Weihnachtswunschlisten. Geburtstagswunschlisten. Bücher-die-ich-noch-lesen-will-Listen, Bücher-die-ich-gelesen-habe-Listen. Listen, Listen, Listen. So darf natürlich auch eine Liste meiner Theaterbesuche (ob nun Sprech- oder Musiktheater) nicht fehlen. Das ist mein Jahresrückblick 2010. Eine simple Liste. Wenn ich in meinen Blog etwas darüber geschrieben habe, dann habe ich verlinkt.

Statistik:
22 Theaterbesuche davon:
11x Musical (9 verschiedene Shows)
5x Sprechtheater
3x Ballett
3x Konzert

Im Detail, voilà:

* Buddy - Das Buddy Holly Musical (Musical)
am 2. Jänner 2010 im Collosseum Theater, Essen

* Tanz der Vampire (Musical)
am 7. Jänner 2010 im Ronacher, Wien

* Ein Monat auf dem Lande (Sprechtheater)
am 18. Februar 2010 im Theater in der Josefstadt, Wien

* Rock the Ballet (Ballett)
am 3. März 2010 im Museumsquartier Halle E, Wien

* Die Fledermaus (Ballett)
am 19. März 2010 in der Staatsoper, Wien

* Jedem das Seine (Sprechtheater)
am 29. März 2010 im Theater in der Josefstadt, Wien

* Sugar - Manche mögen's heiß (Musical)
am 28. Mai 2010 in den Kammerspielen, Wien

* Ich war noch niemals in New York (Musical)
am 1. Juli 2010 im Raimund Theater, Wien

* Tanz der Vampire (Musical)
am 2. Juli 2010 im Ronacher, Wien

* The Full Monty (Musical)
am 24. Juli 2010 in der Pölz Halle, Amstetten

* West Side Story (Musical)
am 2. September 2010 auf der Freilichtbühne Tecklenburg, Tecklenburg

* Hairspray (Musical)
am 5. September 2010 im Musicaldome, Köln

* Der König der Löwen (Musical)
am 8. September 2010 im Theater am Hafen, Hamburg

* Onegin (Ballett)
am 29. September 2010 in der Staatsoper, Wien

* Cabaret (Musical)
am 11. Oktober 2010 in den Kammerspielen, Wien

* Alle sieben Wellen (Sprechtheater)
am 17. Oktober 2010 in den Kammerspielen, Wien

* Tanz der Vampire (Musical) im Blog
am 31. Oktober 2010 im Ronacher, Wien

* Romeo und Julia: Film + Musik live (Konzert) im Blog
am 4. November 2010 im Konzerthaus, Wien

* Frühlings Erwachen (Sprechtheater) im Blog
am 1. Dezember 2010 (Vorpremiere) in den Kammerspielen, Wien

* Musical Christmas 2010 (Konzert) im Blog
am 4. Dezember 2010 (15:00) im Ronacher, Wien

* The Importance of Being Earnest (Sprechtheater) im Blog
am 10. Dezember 2010 im Vienna's English Theatre, Wien

* Musical Tenors (Konzert) im Blog
am 20. Dezember 2010 im Theater Akzent, Wien

andere Rezensionen
* Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (Film) im Blog
* The Cambrigde Companion to the Musical (Buch) im Blog
* 3faltig (Film) im Blog
* Lulu - das Musical (CD) im Blog
* Shall wie Dance and Sing (Buch) im Blog

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Video zur Wochenmitte: "Guldet blev till sand"

Titel: Guldet blev till sand (aus Kristina från Duvemåla)
Interpret: Peter Jöback
Komponist: Benny Andersson
Text: Björn Ulvaeus


Dienstag, 28. Dezember 2010

"Rocky Horror Show" kommt wieder nach Wien!

[Der Flyer]
Die Tour der Rocky Horror Show ist 2011 wieder in Wien zu sehen. Heute hab ich den Flyer (s.l.) beim Ticketpavillon vor der Staatsoper mitgenommen. Von 22. November bis 11. Dezember 2011 wird die Show in der Halle E des Museumsquartieres gastieren. Besetzung? Keine Ahnung, dem Flyer ist darüber nichts zu entnehmen. Auch auf der angegebenen Homepage ist nichts zu finden.  Karten kann man auf oeticket allerdings schon kaufen. Ein bisschen ist es ja, die Katze  im Sack zu kaufen. Wenn man ein bisschen herumklickt, dann erfährt man zumindest, dass die Show und die Songs wieder auf Englisch sein werden, der Sprecher auf Deutsch erzählen wird.

Mir ist es ja relativ egal, wer spielen wird. Ich freu mich auf die Rocky Horror Show. Nichtsdestotrotz hoffe ich auf den großartigen Rob Fowler, der auch schon das letzte Mal in Wien war. Bitte!

Im Web:

Montag, 27. Dezember 2010

[Buch] Shall we Dance and Sing? Zeitgenössische Musical- und Tanzfilme

[Bild via]
Dorothee Ott (2008): Shall we Dance and Sing? Zeitgenössische Musical- und Tanzfilme. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft.

Shall we Dance and Sing? ist der Titel der Dissertation von Dorothee Ott, mit der sie 2007 in Filmwissenschaft promovierte. Man darf sich also kein "klassisches" Musicalbuch erwarten. Hier wird weniger auf musikalische Qualitäten eingegangen als darauf, wie (erzählender) Tanz und Gesang in den Film eingebunden sind. Wie findet der Übergang zwischen der "normalen" Szene und dem Tanz/Gesang statt. Mit welchem filmischen Mitteln wird die Erzählung unterstützt und so weiter.

Als Nicht-Filmwissenschaftlerin hätte ich mir manchmal mehr Erklärungen gewünscht, was Fachvokabeln angeht. Totale und Halbtotale kann man sich ja noch erklären. Top Shot geht auch noch. Aber Amerikanische Einstellung? Da musste ich schon googlen. Der Autorin kann ich das allerdings nicht zur Last legen. Eine Disseration wird schließlich für das Fachpublikum und nicht die Laien geschrieben.
Dafür gibt es Definitionen und Erklärungen zu diversen Musicalbegriffen und einen langen einführenden historischen Teil, in dem die Geschichte des Musical- und Tanzfilms abgehandelt wird. Meiner Meinung nach zu lang und vor allem langatmig, zu oft hält sie sich in Nebengebieten auf. Es hätte gereicht den Tangofilm in ein paar Seiten abzuhandeln. Tangofilm ist nicht der Fokus der Arbeit? Dann braucht das Thema auch nicht über zehn Seiten lang zu sein. Gute hundert (von 346) Seiten braucht Ott insgesamt um zum Hauptteil zu kommen.

Der Hauptteil besteht dann aus der detaillierten Analyse dreier Tanzfilme (Dirty Dancing, Strictly Ballroom und Shall we Dansu?), zweier Musicalfilme (Moulin Rouge! und Chicago) sowie einer Tanz-Dokumentation (Rhythm is it!). Letztere wirkt nach den beiden Musicalfilmen ein wenig fehl am Platz, erwartet man doch in logischer Konsequenz eigentlich einen dritten Musicalfilm. Oder zumindest eine Dokumentation, die sowohl Tanz als auch Gesang zum Thema hat.
Die Analysen selber sind wirklich äußerst detailliert. Teilweise werden Szenen sekundengenau beschrieben und angesehen, sodass man sie sich fast schon vorstellen kann, selbst wenn man den entsprechenden Film nicht kennt. Wie immer bei solchen Büchern ist es natürlich von Vorteil, wenn man zumindest ein paar der Filme oder Szenen kennt. Otts Erkenntnisse sind größtenteils interessant und nicht alles wird auch dem aufmerksamen Laienzuseher aufgefallen sein. Im Großen und Ganzen kann es aber schon recht langatmig werden, vor allem weil sie sich innerhalb der Abschnitte immer wieder einmal wiederholt. Da wäre es manchmal besser gewesen einen zusammenfassenden Absatz zu schreiben. Die farbigen Abbildungen befinden sich immer am Ende einer Filmanalyse. Es wäre nett gewesen sie gleich bei der Analyse der jeweiligen Szene zu haben oder zumindest einen Verweis zu Abb. XY.

Allerdings hat Ott in meinen Augen manchmal ein Problem mit dem sprachlichen Ausdruck. Ist "Mischlingskind" (S.311) wirklich ein Ausdruck, den man verwenden sollte? Sie neigt außerdem dazu ihren Enthusiasmus (vor allem für Baz Luhrmann) nur allzu deutlich zu zeigen und ins Pathetische abzugleiten Ein besonders gutes Beispiel dafür:
Für den modernen Menschen, der Wahrnehmung im Kino und vor dem Fernseher gelernt hat, ist Popmusik der Sountrack zu dem großen Film, der Leben heißt. (S. 231)
Der große Film, der Leben heißt. Na, wenn sie meint.

Verwundert hat mich auch diese Zeile:
Auf der Theaterbühne wird erzählender Gesang jedoch heute immer noch als Ausdrucksmittel akzeptiert, weil sich das Bühnenmusical neben den traditionellen Theaterformen Operette und Oper [...] als gleichwertige Kunstform etabliert hat. (S. 212)
Leider ist das wohl eher Wunschdenken als Wirklichkeit. Zumindest erlebe ich das in meinem Leben nicht so. Eher im Gegenteil wird das Musical als leichte Unterhaltung abgetan, die man nicht ernst nehmen muss und die sich nicht mit anderen Typen des Musiktheaters, vor allem der Oper, messen könne.

Mein Fazit: Durchaus lesenswert, aber etwas langatmig.

Freitag, 24. Dezember 2010

Beste Wünsche!


Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs fröhliche Weihnachten.

Mögen es schöne Feiertage mit viel Glück, Freude und den besten Erinnerungen werden.

Um es mit den Worten von Daniel Glattauer zu sagen:
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Fest und freue mich für Sie, dass Ihnen ein Jahr bevorsteht, das zu Ihren achtzig besten zählen wird." (Glattauer 2006: 7)
Glattauer, Daniel (2006): Gut gegen Nordwind. Wien: Deuticke im Paul Zsolnay Verlag.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

[Konzert] Die Boyband des Musical - Musical Tenors

Und Boyband ist hier wirklich nicht negativ gemeint. Wirklich nicht! Aber der Vergleich drängt sich geradezu auf, wenn man die Musical Tenors am Montag (20. Dezember 2010) im Theater Akzent gesehen hat. Schon die erste Nummer "Limelight" wurde mit perfekt synchronen Bewegungen (Choreographie und Regie Paul Kribbe) vorgetragen, die auch die Backstreet Boys, *NSync, Take That oder wie sie alle heißen hätten "performen" können.

[Bild via]
Doch von Anfang an. Jan Ammann, Christian Alexander Müller, Mark Seibert und Patrick Stanke haben sich vor einer Weile zu den "Musical Tenors" zusammen geschlossen und sind nun seit einiger Zeit in ganz Deutschland auf Tour. Am Montag war der erste und bis dato einzige Termin der Konzertreihe in Österreich, nämlich im Theater Akzent in Wien. Letztes Jahr trat in diesem Theater Pia Douwes mit ihrem Ein Abend im Dezember auf, eins meiner Highlights des Jahres 2009 (ich kann die CD Dezemberlieder nur immer und immer wieder empfehlen) und ich war gespannt ob ich von den Musical Tenors das Gleiche würde behaupten können. Ja! Ich wurde nicht enttäuscht. Die vier bieten Unterhaltung auf höchstem Niveau.

Die Liedauswahl (Idee, Musikalische Konzeption und Buch Andreas Luketa) reichte von altbekannt über zu oft gesungen hinzu noch nie gehört. Zumindest für mich. Der Großteil des Abends bestand natürlich aus Nummern, die die vier zusammen gesungen haben. Ein bisschen besorgt war ich ja im Vorhinein, dass es langweilig werden würde. Alles Tenöre. Ob das nicht fad wird? Aber die Arrangements (von Mario Stork, auch für die Musikalische Leitung Band verantwortlich) waren gelungen und die Stimmen harmonierten perfekt. Eröffnet wurde der Abend wie schon erwähnt mit "Limelight" (Gambler - Das Geheimnis der Karten), dem gleich ein 3-Musketiere-Block ("Heut ist der Tag", "Constance", "Engel aus Kristall", "Wo ist der Sommer" und "Wer kann schon ohne Liebe sein") folgte. Weiter kann ich den Ablauf des Programms nicht mehr ganz genau aus dem Gedächtnis rekonstruieren, da im Programmheft (7€ für ein doch recht dünnes Heft!) lediglich eine alphabetische Liste ("Musical Tenors wählen Ihr Repertoire aus den folgenden Titeln". Ob "Ihr" absichtlich nicht "ihr" ist?) der Lieder enthalten ist und in der Pause hab ich mir allgemeine Notizen gemacht (und mit meinen Freundinnen das gerade Gesehen und Gehörte besprochen), aber nicht versucht die Liedreihenfolge niederzuschreiben. Gesungen wurde sowieso alles bis auf eines der angegebenen Lieder. Aber das nur so am Rande. Im Folgenden verzichte ich deswegen auf Chronologie und versuche einfach unterzubringen, was ich für wichtig erachte (und ich wette, ich werde trotzdem irgendetwas vergessen).

"Memory" (Cats) wurde zum Beispiel gesungen und zum ersten Mal fand ich es nicht sterbenslangweilig. Dazu sollte ich vielleicht sagen, dass ich meistens generell kein Fan der Lieder bin. "Memory", "Ich gehör nur mir", "Don't Cry for Me Argentina"? Kann ich meistens alles nicht hören. Das Interessante diesmal war, dass Christian Alexander Müller eine Strophe auf italienisch und Mark Seibert eine auf französisch sang. Das war mal etwas Neues! "Maria" (West Side Story) wurde mit Flamenco-Rhythmen (mit Ana Maria Escoz Corbacho als Flamencotänzerin) kombiniert und war so auch erfrischend anders. Schön auch, dass aus The Man Of La Mancha nicht nur "The Impossible Dream" kam sondern auch "The Man Of La Mancha" mit Mark Seibert und Patrick Stanke als Sancho.

Warum immer und überall "This is the Moment" (Jekyll and Hyde) gesungen werden muss, ist mir ja ein Rätsel, aber offensichtlich kommt man um diesen Song nicht herum. Weniger langweilig da schon "Braver Than We Are", die englische Version von "Stärker als wir sind/Das Gebet" aus Tanz der Vampire. Das hat gewirkt und gezündet! "The Shades of Night", die englische Version von "Die Schatten werden länger" aus Elisabeth, allerdings ist leider unmöglich. Das lag weder am Arrangement noch an den Tenors. Das liegt einfach am englischen Text des Liedes, der mit Verlaub gesagt einfach nur schlecht ist. "The shades of night are growing". Das ist viel aber nicht Englisch. Dr. Michael Kunze mag ja auf deutsch gut texten oder englische Texte gut aus dem Englischen ins Deutsche übertragen können, er hat nur kein Talent seine eigenen Texte ins Englische zu übersetzen. Mit der Auswahl dieser Version hat man in meinen Augen viel vergeben. Das konnten auch die vier fantastischen Herren nicht rausreißen.

Der Queen-Block (ich weigere mich es den We-Will-Rock-You-Block zu nennen) mit "The Show Must Go On" und "Who Wants to Live Forever", bei dem Christian Alexander Müller an ein paar zu früh verstorbene Künstler erinnerte (John Lennon zum Beispiel und im gleichen Atemzug für die Musicalwelt Steve Barton) war hingegen ein Genuss. Der Grease-Teil ("Grease is the Word", "Greased Lightnin'", "Mooning", "Rock'N'Roll Party Queen", "Those Magic Changes") war eine sehr nette Auflockerung zu einem sonst doch recht "dichten" Programm.

Einen der schönsten Momente gab es bei "Am Ende bleiben Tränen", das ich vorher noch nicht wirklich  kannte, mich aber wirklich sehr berührt hat. Das waren Momente, bei denen man sich wünschte, dass das Lied noch lange, lange weitergehen möge.

Witzig die Choreographie zu "Weil ich weiß, in der Straße wohnst du" (My Fair Lady), bei der die Herren Zylinder und Gehstock hatten und sichtlich Spaß an der Freud. Überhaupt hatte man den ganzen Abend das Gefühl die vier freuen sich wirklich diese Konzerte zu machen und haben Spaß bei dem, was sie machen und irgendwie war auch immer wieder ein Hauch von Selbstironie bei den "Boyband-Moves" zu spüren. Nach dem Motto: "Wir wissen, wie wir dabei aussehen und wir wissen auch, wie dämlich das eventuell ist. Aber Lustig ist es trotzdem, also lasst uns das machen!" Weitgehend  unangestrengt auch die Zwischenmoderationen und Übergänge. Wir wissen jetzt, wie Patrick Stanke, Christian Alexander Müller und Mark Seibert Frauen betören oder auch wie Jan Ammanns Sohn heißt.

Mark Seibert hat in Wien offensichtlich die größte Fan-Basis der vier, was kaum verwunderlich ist, schließlich ist er hier noch aus Romeo und Julia bekannt. Seiberts wunderschöne, kontrollierte Kopfstimme ist in Berlin bei We Will Rock You vermutlich verschwendet. Er weiß ganz genau, was er singen kann und wie er es singen muss, damit es wirkt und liefert somit eine Vorstellung, die nichts zu wünschen übrig lässt. Er durfte auch gleich das erste Solo des Abends singen. "Draußen" aus Der Glöckner von Notre Dame, im zweiten Teil konnte er dann mit "Love of my Life" glänzen. Ganz allgemein wirkten die Boyband-Bewegungen bei ihm am wenigsten aufgesetzt. Vielleicht auch weil er aussieht, als könnte er schon morgen bei irgendeiner  mitmachen.

Patrick Stanke durfte/musste den Entertainer des Abends spielen. "Guten Abend, Wien! Geht es euch gut" und so weiter. Ich hasse, hasse, hasse es, wenn ich aufgefordert werde mitzuklatschen wie die Lemminge und ich verweigere mich da auch regelmäßig. Wenn es sich von selbst entwickelt, meinetwegen. Aber dieses Gezwungene, wenn die Darsteller auf der Bühne dazu auffordern, kann ich nicht ausstehen. Abgesehen davon aber, hatte Stanke einige sehr, sehr starke Momente an diesem Abend. Bejubelt wurde seine Interpretation von "Wie wird man seinen Schatten los" (Mozart!), mir aber ist er vor allem mit "Du warst mein Licht", einem wunderschönen Liebes/Trennungslied, in Erinnerung geblieben. Er begleitete sich selbst am Klavier und schuf damit einen intimen, berührenden Moment.

Jan Ammann widmete sein erstes Solo seinem Sohn und sang "Gute Nacht", mit etwas seltsamen Text, dafür aber umso schönerer Interpretation. Man spürte geradezu, dass seine Gedanken bei seinem Sohn in Stuttgart waren. Das zweite Solo war "Die Unstillbare Gier" (Tanz der Vampire). Interessant zu beobachten und zu hören, wie seine Stimme sich verändert, wenn er auf von Krolock umschaltet. Ich hatte ihn letztes Jahr in Oberhausen als "Obervampir" gesehen und seine Version des Grafen war mir nicht in guter Erinnerung geblieben. Ich konnte nicht verstehen, warum so viele ihn lieben. In meinen Augen (Ohren) hatte er ein Problem Vokale zu singen. As klangen wie Os, Is wie Es und so weiter. Auch an diesem Abend wurde gejubelt und lange geklatscht. Ich verstehe es noch immer nicht. Der Funke will einfach nicht überspringen und ein paar Vokale saßen immer noch nicht. Schade, denn bei absolut jedem anderen Lied mochte ich ihn sehr!

Die größte Überraschung war für mich Christian Alexander Müller, den ich als einzigen der vier vorher noch nicht live gesehen hatte. Er wirkte fast die ganze Zeit als würde er sich nicht so richtig wohl fühlen. Schon als hätte auch er Spaß, aber als würde ihm die Umsetzung des Ganzen nicht so zusagen. Boyband? Nicht unbedingt seins. Singen? Absolut seins! Bei den Soli war er sichtlich am entspanntesten und blühte geradezu auf. Es dauerte etwas mit seiner "Musik der Nacht" (Das Phantom der Oper) warm zu werden, aber es zahlte sich aus nicht auszuklinken. Müller entwickelte eine geradezu magnetische Anziehungskraft bei dem Lied, ein sehr anziehendes, verführendes, verführerisches Phantom. Eine beeindruckende Darbietung. War die "Ouvertüre" davor Musik aus Love Never Dies? Ich konnte sie jedenfalls nicht dem Phantom zuordnen, aber  das mag auch daran liegen, dass ich dieses Musical nicht sehr gut kenne. Auch mit seinem zweites Solo "Einsam sind alle Sänger" wusste er zu überzeugen. Diesen Mann werde ich mir merken!

Als Female Guest war Lisa Antoni eingeladen worden, die zum letzten Lied des ersten Teils "I Believe in You" von hinten auf die Bühne kam (das war zu erwarten, schließlich stand dort neben der Tür von Anfang ein ein Mikrophon) und auf französisch einsetzte. Was für Harmonie bei den fünf! Im zweiten Teil durfte sie dann "A Change in Me" (The Beauty and the Beast) als Solo singen. Schade, dass man sie nicht mehr eingebunden und mehr mit ihr gesungen hat, wenn man sich schon extra einen Special Guest einlädt. So war das ein bisschen austauschbar und ich persönlich hätts auch nicht vermisst, wenn es nicht da gewesen wäre. Sie hat es ja schön vorgetragen, aber das Spannendste bei dem Auftritt war, dass der Pianistin beim Umblättern die Noten herunterfielen (wenn man es nicht gesehen hätte, hätte man es nicht gehört).

Die Zugaben waren dann "Save Your Kisses for Me", mit der "boybandigsten" und gleichzeitig witzigsten, ironischsten Choreographie des Abends. In Anbetracht der Jahreszeit hatten die vier sich Weihnachtsmannhauben aufgesetzt, die das Ganze um noch eine Spur lustiger machten. Wirklich geendet hat man dann mit "Look With Your Heart" aus Love Never Dies, bei dem die Tenors langsam die Bühne und über den Mittelgang den Saal verließen.

Somit waren am Ende nur noch die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne, die dadurch noch einmal einen eigenen Moment und Applaus bekamen und das völlig verdient. Die Musiker und Musikerinnen waren stellenweise genauso ein Ereignis wie die Tenors. Wer letztes Jahr schon bei Pia Douwes Konzert war, konnte ein "Wiedersehen feiern" mit Marina Komissartchik  (sie war auch für die Musikalische Leitung Gesang zuständig) am Flügel und Keyboard. Diese Frau ist ein Phänomen. Sie spielte mit vollem Einsatz, mit ganzem Körper, ließ sich auch von fallenden Notenblättern nicht aus der Ruhe bringen und spielte manchmal gleichzeitig am Flügel und am Keyboard. Faszinierend. Emilio Percan spielte ganz fantastisch und mit viel Gefühl Violine. Selten hat es so viel Spaß gemacht auch die Musiker und nicht nur die Sänger zu beobachten. Weiters dabei waren Julian Rybarski (Bass und Gitarre), Matthias Plewka (Schlagzeug und Percussion) sowie Stephanie Strehlow an der Gittarre.

Mein Fazit: Einer der besten Musical-Abende, die ich bis jetzt erlebt habe. Das ist vor allem der Strahlkraft und den schönen Stimmen der vier Interpreten und den fantastischen Musikern und Musikerinnen zu verdanken. Ein kurzweiliger, unterhaltsamer Abend, mit vielen ruhigen und tiefgründigen Momenten. Es ist zu wünschen, dass sie wiederkommen. Mit einem neuen ebenso interessanten Programm.

Meinungen Anderer:

Im Web:

Video zur Wochenmitte: "Cantique de Noël"

Titel: Cantique de Noël
Interpretinnen: Carin Filipčić & Wietske van Tongeren
Komponist: Adolphe Adam
Text: Placide Cappeau