Dienstag, 14. Dezember 2010

[Theater] "I've now realised for the first time in my life the vital Importance of Being Earnest."

[Bild via]
Was für einen tollen Abend ich doch im Vienna's English Theatre verbracht habe am 10. Dezember 2010. Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß im Theater.

Zum einen lag das natürlich am Stück. The Importance of Being Earnest wird oft als Oscar Wildes Meisterstück bezeichnet. Es ist wohl eins der Werke von ihm, die am bekanntesten sind. Die gleiche Popularität hat vermutlich nur The Picture of Dorian Gray, das aber zum einen ein Roman ist und zum anderen absolut nicht mit dem Theaterstück zu vergleichen. Im Gegensatz zum Roman ist das Stück heiter und an Wortwitz wohl kaum zu übertreffen (Übersetzungen müssen daran zwangsläufig scheitern, alleine der Titel ist kaum mit seiner Doppeldeutigkeit in eine andere Sprache übertragbar). Auch wenn man sich von der vermeintlichen Leichtigkeit nicht täuschen lassen sollte, denn Wilde spart nicht mit Gesellschaftskritik. Man muss nur genau zuhören und zusehen.

Zum anderen lag es an der Umsetzung des Stücks im English Theatre. Das Theater (hier ein paar Fotos für die, die es nicht kennen) ist ein kleines, aber feines Theater, das besonders bei Lehrpersonal für Englisch beliebt ist. Auch an diesem Abend waren ein paar Jugendliche und junge Erwachsene im Publikum. Vielleicht tue ich ihnen Unrecht, wenn ich annehme, dass sie mehr oder minder dazu gezwungen waren, aber ich kenne die Generation der jetzt 20-jährigen (meine Generation) und die geht nicht unbedingt dauernd ins Theater, wenn sie nicht muss. Was schade ist, denn sonst würden sie vielleicht öfter so tolle Stücke sehen wie dieses.

Die Schauspieler und Schauspielerinnen sind alle hervorragend. Bei englischsprachigen Stücken vielleicht noch extra zu erwähnen ist, dass hier schönstes deutliches British-English gesprochen wird, mit dem kaum jemand Probleme haben sollte.
James Cawood als Algernon Moncrieff und Tom Micklem als John (Earnest) Worthing geben ein wunderbar gelangweiltes Freundespaar der englischen Oberschicht, das nichts Besseres zu tun hat als einen invaliden Freund und einen umtriebigen Bruder zu erfinden, um den Zwängen in der Stadt bzw. am Land zu entgehen. Herrlich wie da mit aller Ernsthaftigkeit der beste Freund für sein Verhalten verurteilt wird, man das eigene aber ganz in Ordnung findet und dann als die ganze Geschichte ans Licht kommt, nichts Wichtigeres zu diskutieren hat, als wer den letzten Muffin gegessen hat.
Olivia Wright als Johns Angebetete Gwendolen Fairfax und Jean Kristin Atherton als Johns Mündel und Algernons Eroberungsziel Cecily Cardew liefern eine ebenso überzeugende Darstellung. Gwendolen mag ein wenig naiv und unerfahren wirken, aber Wright gelingt es ganz hervorragend eine junge Frau zu zeichnen, die ganz genau weiß, was sie will (zum Beispiel als sie sich nach Johns, in ihrem Glauben noch Earnests, Landadresse erkundigt, sollte sie sich zu einer "unüberlegten Verzweiflungstat" hinreißen lassen). Cecily weiß ihrerseits mit ihren Reizen zu spielen und hat einen ihrer stärksten Momente im Gespräch mit Gwendolen, als sie dieser gleich mehrere Stücke Zucker in Tee gibt, obwohl sie gerade gesagt hat Zucker wäre nicht "fashionable".
Hervorzuheben sind weiters noch Kate Dove als Lady Bracknell (ein wenig erinnert diese Rolle an Lady Catherine de Bourg aus Pride and Prejudice von Jane Austen) der von Wilde auch ein paar der besten Sätze geschrieben wurden und Moray Treadwell als Lane/Merriman, der trotz seiner kurzen und wortkargen Szenen in Erinnerung bleibt. Ein wenig blass, wenn auch auf hohem Niveau, wirken dagegen Jean Perkins als Miss Prism und Roger Bingham als Rev. Canon Chasuble.

Für die feine Regie zeichnet sich Philip Dart verantwortlich. Das funktionale Bühnenbild, das für die Größe der Bühne optimal erscheint (ein ein- und ausklappbarer, drehbarer Hintergrund und die passenden Requisiten dazu) wurde von Charles Cusick Smith entworfen.

Mein Fazit: Hingehen und ansehen! The Importance of Being Earnest verspricht einen unterhaltsamen Abend mit intelligenten Pointen und dem feinen Humor, für den England so berühmt ist.  Bis zum 22. Dezember gibt es noch die Gelegenheit zu erleben, wie dieses Versprechen eingehalten wird.

Im Web:

Kommentare:

  1. Danke für den Bericht, hab schon darauf gewartet! Ich hätte es mir so gerne angeschaut, aber leider geht es sich bei mir nicht aus. :(
    Die Szene, in der sich John bei Lady Bracknell vorstellt, um sich um Gwendolen zu bewerben, und dann die Geschichte von der Tasche erzählt... Genial! Oder die, in der sich die beiden Herren um die Muffins raufen! *LOL* Ich glaub, ich muss wieder mal das Buch lesen. :)

    LG

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  2. Schön, dass ich hier jemand für das Stück interessiert. Die Geschichte mit der Tasche ist auch toll, vor allem als er dann gegen Ende der Hauslehrerin um den Hals fällt, weil er denkt sie wäre seine Mutter.
    Schade, dass es sich nicht ausgehen wird, die Produktion im English Theatre zu besuchen. Die ist wirklich sehenswert, aber irgendwann wird es schon wieder aufgeführt werden. Wilde wird sicherlich noch eine ganze Weile beliebt sein.

    Liebe Grüße

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  3. Ich hoffe doch sehr, dass ich "Earnest" irgendwann mal zu sehen bekomme. Auf Englisch wäre halt toll. Wie du gesagt hast, das Stück kann unter der Übersetzung nur leiden. (Alleine den Titel "Bunbury" finde ich schon irgendwie "abturnend".)
    Was ich noch sagen wollte: Lady Bracknell erinnert tatsächlich ein wenig an Lady Catherine, wenn ich darüber nachdenke. Zwei alte Patriarchinnen halt. Wobei ich lieber die Bracknell als Schwiegermutter hätte. ;)

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