Samstag, 20. November 2010

[CD] Lulu - Das Musical (2010)

Am 15. Mai 2010 kam Stephan Kanyars Lulu - Das Musical im Tiroler Landestheater in Innsbruck zur Uraufführung. Pünktlich zur Wiederaufnahme am 22. Oktober 2010 erschien nun auch eine Gesamtaufnahme als  Doppel-CD. Sie ist entweder direkt an der Kasse des Landestheaters erhätlich oder per E-Mail zu bestellen. 14,99€ (zzgl. 3€  Versandgebühren bei E-Mailbestellung) kostet das gute Stück und ist damit für eine Doppel-CD vergleichsweise günstig.

Das Musical basiert auf  Der Erdgeist und Die Büchse der Pandora, zwei Stücken von Frank Wedekind. Schon einmal hat sich eine Vorlage Wedekinds als überaus geeignet erwiesen in ein Musical verwandelt zu werden. Mit Frühlings Erwachen ist Lulu - Das Musical allerdings nicht zu vergleichen.

Weder thematisch noch musikalisch. In Lulu geht es um die titelgebende Lulu, eine Kindfrau, die alle Männer und Frauen um sie herum in ihren Bann zieht. Sie ist jung und lebenslustig, langweilt sich schnell und geht von Mann zu Mann. Um ihren Willen durchzusetzen geht sie auch schon mal über Leichen. Im Laufe des Stück steigt sie in der Gesellschaft immer höher. Doch irgendwann hat auch sie ihren Zenit überschritten und endet schließlich als ein Opfer des Frauenmörders Jack the Ripper (das Booklet bietet über den Inhalt des Stücks keine Information, die Handlung nachzuvollziehen ist daher manchmal schwierig und eine Kenntnis der Wedekind-Stücke ist auf jeden Fall von Vorteil).

Für die Produktion konnten Lucy Scherer (bekannt unter anderem aus Wicked - Die Hexen von Oz oder Tanz der Vampire) als Lulu und Máté Kamarás (den meisten als Tod aus Elisabeth geläufig) als Jack the Ripper gewonnen werden. Scherer überzeugt als Lulu, mal ganz lebenslustiges Kind, mal verführerische Frau, mal rücksichtslos um ihre Ziele zu erreichen und am Ende gebrochen. Kamarás fungiert auch als eine Art Erzähler und wirkt teilweise etwas irre, was er auszukosten scheint, leider geht das hin und wieder zu Lasten der Verständlichkeit (vor allem bei "Ich bin Dein Todesengel..."; zumal sein ungarischer Akzent auch hier deutlich zu hören ist). Auch die anderen Sänger und Sängerinnen können in ihren Rollen überzeugen.

Schade nur, dass sie Texte (von Brigitte Fassbaender) singen müssen, die nach dem Prinzip "reim dich oder stirb" geschrieben wurden. Gleich im Prolog können wir da Dinge hören wie:
Doch tief dir in die Augen schauen führt in die Horizontale,
für dich das ganz Normale.
oder
Du bist der Prototyp 'Verführung',
so mancher, so mancher starb dahin vor Rührung.
Kaum ein Lied, das nicht durchgehend nach dem Paarreim-Schema AABB funktioniert. Da reimt sich dann auch schon mal  "gewachsen" auf "Faxen", "benehmen" auf "beschämen" oder "überschütten" auf "Margeriten". Sehr schmunzeln musste ich auch über:
Mach dir doch bitte nicht so viel Gedanken,
iss lieber hier mit mir von diesen schlanken
bezaubernd grünen Spargelstangen.
Es heißt, sie steigern das Verlangen.
Die Musik dazu ist nicht sonderlich einfallsreich, aber passend. Stellenweise sogar richtig atmosphärisch oder schön. Ein Anspieltipp ist "Mein lieber Schön", das Lebenslust pur versprüht. "Nicht Kind, nicht Frau" kommt mir stellenweise seltsam bekannt vor. Als hätte ich es schon einmal gehört und wüsste nur nicht mehr wo genau. Beim Hören der beiden CDs hatte ich den Eindruck, als würde sich alles ständig drehen. Nicht im Sinne von Schwindel sondern mehr im Sinne von ständiger Bewegung. Es gibt keinen Stillstand, die Geschichte wird unaufhörlich weitergetrieben bis Lulu am Ende tot ist. So kommt bis zum Schluss keine Langweile auf, was zweifellos ein Pluspunkt ist.

Mein Fazit: Hörenswert, vor allem Dank der Sängerinnen und Sänger. Die Texte darf man sich nicht allzu genau anhören.

Im Web:
  • Hompage des Tiroler Landestheater
  • über das Stück
  • musikalische und szenische Eindrücke auf youtube

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