Sonntag, 5. Dezember 2010

[Konzert] It's beginning to look a lot like Christmas - Musical Christmas 2010

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Draußen bitterkalt und winterlich-weihnachtlich verschneit. Auf jeden Fall eine gute Atmosphäre für ein Weihnachtskonzert. Immerhin war es ja doch erst der 4. Dezember und damit Weihnachten noch 20 Tage entfernt. Außerdem war ich in der Nachmittagsvorstellung, also war es noch nicht einmal stimmungsvoll dunkel draußen, sodass man mit weihnachtlicher Beleuchtung in die richtige Stimmung versetzt wurde. Die Sänger und Sängerinnen der VBW hatten also nur den Schnee als Unterstützung. Mehr brauchten sie aber auch nicht. Die Weihnachtsstimmung ist ihnen gute gelungen. Es war ein sehr schöner Nachmittag, mit viel Stimmung, Stimme und schönen Melodien. Großteils. Im Folgenden werde ich der Einfachkeit halber chronologisch vorgehen um nichts zu vergessen.

1. Teil
1. Ouvertüre: First Noel/Wunschzettel (Instrumental/Uwe Kröger)
Wer durfte nach der instrumentalen Ouvertüre eröffnen? Natürlich Uwe Kröger. War ja auch nicht anders zu erwarten. Den Wunschzettel hätte man sich meines Erachtens sparen können. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, was Uwe Kröger da genau gesagt hat. Aber egal, der instrumentale Anfang war sehr schön und während das Orchester gezeigt hat, was es kann, kamen auch gleich alle Solisten auf die Bühne. Miteinander diskutierend, gehetzt, am Telefon streitend (alles lautlos und mit viel Gestik) und als Kröger sein Gedicht (?) vorgetragen hat, erstarrten sie alle und es kam das Ensemble in Form von Weihnachtselfen (mit spitzen Ohren) und drückte ihnen Geschenke in die Hand.

2. The Christmas Song (Carin Filipčić)
Lang, lang ist's her, dass man Carin Filipčić so schön hat singen hören. Ja, ich hab sie in Rudolf - Affaire Mayerling (übrigens sicherlich einer der dümmsten Untertitel der Musicalgeschichte) gesehen und nein, ich fand ihre Lieder nicht besonders toll. Ich war also mehr als froh, sie einfach mal wieder singen zu hören. So eine schöne Stimme sollte öfter engagiert werden.

3. Driving Home For Christmas (Rasmus Borkowski)
Genauso glücklich war ich, Rasmus Borkowski mal wieder singen zu hören. Er hat sich ja schließlich eine Auszeit vom Musical genommen und war im Theater in der Josefstadt zu sehen. Die Pause hat seiner Stimme gut getan. Er klingt voller, unangestrengter, schöner. Das  Lied allerdings. Na ja. Ich mag es nicht und auch Rasmus Borkowski konnte mich nicht davon überzeugen.

4. When Christmas Comes to Town (Caroline Vasicek und Wietske van Tongeren)
Das Lied aus dem Film Polarexpress war mir bisher nicht bekannt, wahrscheinlich war mir deshalb auch die Inszenierung des Songs nicht ganz klar. Gesungen war er aber zweifelsohne sehr schön!

5. Weihnachtslegende (Carin Filipčić)
Die erste unmusikalische Einlage. Ein kurzes Gedicht von Ochs und Esel, die etwas anders aussahen, als ihre Artgenossen und eigentlich auf Silvester warten. War ganz witzig.

6. White Christmas (Uwe Kröger und Ensemble)
Ich war überrascht von Uwe Kröger, denn die Töne waren alle richtig. Hin und wieder ein bisschen geschummelt, aber richtig. Angestrengt klang er trotzdem und immer wenn's ein bisschen schwieriger wird, dann macht er ein Gesicht, als hätte er gerade einen Bandscheibenvorfall.

7. Lebkuchenmärchen (Katrin Mersch, Philipp Kreinbucher, Christian Petru, Markus Pol, Robert Weixler)
Eine nette, kleine Weihnachtsgeschichte von den Elfen mit viel Freude erzählt.

8. Santa vs. Christkind (Caroline Vasicek, Rasmus Borkowski und Ensemble)
Das erste deutsche Lied des Abends. Der Titel ist von einem Orchestermitglied geschrieben worden. Anscheinend wird bei den Weihnachtskonzerten der VBW immer eine Nummer gespielt, die von einem Orchestermitglied geschrieben wurde (so erzählte Dennis Kozeluh in der Moderation vor dem nächsten Lied. Er sagte allerdings "das folgende Lied". Da das folgende Lied aber "Winter Wonderland" war, kann man sicherlich getrost annehmen, dass er das vorangegangene meinte).
"Santa vs. Christkind" ist eine weniger besinnliche als fröhliche Up-Tempo-Nummer, in der sich Christkind und Santa Clause darüber streiten, wer denn jetzt für das Weihnachtsfest zuständig ist. Das Christkind hat dabei Unterstützung von seinen Engerln, der Weihnachtsmann von seinen Rentieren. Die Nummer macht Spaß, auch wenn der Rap-Teil ein wenig überflüssig war. Allerdings ist Rasmus Borkowski zu dünn um den Weihnachtsmann zu geben. Wenn man schon mit Klischee-Figuren spielt, dann aber richtig!

9. Winter Wonderland (Dennis Kozeluh und Uwe Kröger)
Wer auch immer die Zwischenmoderationen geschrieben hat, war nicht besonders einfallsreich. "Das Leben der meisten Menschen endet mit dem Tod. Bei dir, Uwe, hat es mit dem Tod begonnen." Ha. Ha. Ha. Selten so gelacht. "Heuer fällt Weihnachten auf einen Freitag." - "Auf einen Freitag? Hoffentlich nicht auf einen 13." Ich hab schon bessere Witze gehört.
"Winter Wonderland" hat dann nichts Neues geboten. Die beiden haben es gut interpretiert, Uwe Krögers Stimme hat (noch) gehalten. Nur langsam wird er zu alt dafür, so mit seinen Hüften zu wackeln, wie ers gemacht hat. Ich möchte es ihm als Selbstironie auslegen.

10. Koppången (Wietske van Tongeren und Damenensemble)
Eins der Highlights des Nachmittags. Wietske van Tongeren in einem einfachen, schwarz-weißen Kleid, ein wenig Bühnennebel, die Musik und ihre Stimme. Wunderbar unaufgeregt und schlicht, dafür umso schöner. Da kam zum ersten Mal so richtig Weihnachtsstimmung auf. Ich verstehe niederländisch nur beschränkt, aber deswegen war es nicht weniger stimmungsvoll.

11. Großer Herr, o starker König/Ach mein herzliebes Jesulein! (Dennis Kozeluh und Ensemble)
Wurde nicht gespielt. Ich kann nicht sagen, warum. Mich würde interessieren, ob sie die Nummer aus allen Konzerten gestrichen haben oder nur aus dieser Vorstellung.

12. Who Would Imagine a King (Caroline Vasicek)
Ein schönes Lied und auch sehr gut interpretiert, leider war meine Aufmerksamkeit konstant abgelehnt, weil ich mich fragen musste, warum Caroline Vasicek gerade ein Kleid in Paradiesvogelfarben dazu trug, das ein wenig an den Umhang aus Joseph erinnerte.

13. Amerikanisches Weihnachtsmedley: Let It Snow, Rocking Around the Christmas Tree, Rudolph the Red-Nosed Reindeer, Grandma Got Run Over by a Reindeer (alle)
Ein schwungvoller Abschluss für den ersten Teil. Ich persönlich mag ja "Grandma Got Run Over by a Reindeer" sehr gerne und war daher froh, dass es inkludiert wurde. Ob das Konzert wohl im Ronacher stattgefunden hat, weil man den Schnee aus "He ho he" (Tanz der Vampire) gleich auch für "Let It Snow" parat hatte?
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2. Teil
14. Polar Express (Dennis Kozeluh und Ensemble)
Wie schon oben erwähnt, kenne ich den Film nicht. Also war auch dieses Lied neu für mich. War ganz nett, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass Dennis Kozeluh ein wenig unterfordert war.

15. Meine Herzwunschliste (Uwe Kröger)
Da war es wohl zu Ende mit Uwe Krögers Stimme. Hatte er zuvor noch ein wenig geschummelt hie und da, so half nun das auch nicht mehr. Ein paar Mal war es eben einfach falsch und dem Gesicht nach zu urteilen, das er dabei gemacht hat, war es auch nicht angenehm zu singen. Zum Bandscheibenvorfall kam jetzt noch eine gebrochene Hüfte dazu...

16. Weihnachtsgeschichte - Ein Weihnachtslied (Rasmus Borkowski, Anna Knott und Christian Petru)
Rasmus Borkowski als Geschichtenerzähler im Altherrenmantel unterstützt von zwei verliebten Elfen. Für mich war es gelungen und ich fühlte mich gut unterhalten.

17. Es wird scho glei dumpa (Caroline Vasicek, Carin Filipčić, Markus Pol, Philipp Kreinbucher)
Toll, dass auch ein traditionelles, österreichisches Weihnachtslied vertreten war. Die vier haben das wunderbar gemacht. Das nennt man Harmonie und in solchen Momenten merkt man, dass es nicht mehr braucht, als wie hier vier exzellente Sänger und Sängerinnen und die Musik dazu. Sie standen einfach nur da, in schwarz gekleidet, mit Textbuch (war aber eher Zierde als notwendig) und sangen.

18. Do You Hear What I Hear? (Dennis Kozeluh und Ensemble)
Endlich hatte auch Dennis Kozeluh wieder etwas zu tun und wie er das hatte. Fast schon hymnisch war das ganze aufgebaut. Leiser Anfang, mitreißendes Finale mit genau richtig dosierter Unterstützung durch das Ensemble.

19. Cantique de Noël (Carin Filipčić und Wietske van Tongeren)
Die meisten werden das Lied vermutlich eher auf Englisch als "Oh, Holy Night" kennen. Das Original ist allerdings französisch und ich finde es eine gute Entscheidung, das Original aufzuführen. Es gibt so viele Weihnachtslieder und doch hört man meistens die gleichen und dann noch dazu in englischer Übersetzung. Dabei ist Französisch eine so schöne Sprache, die sich auch wunderbar singen lässt. Filipčić und van Tongeren haben das auf jeden Fall bewiesen.

20. It's Beginning to Look a Lot Like Christmas (Rasmus Borkowski und Damenensemble)
Irgendwie wollte das Lied nicht so Recht in Schwung kommen. Es war ja nett, aber für mein Gefühl plätscherte es ein wenig dahin (auch wenn sich Rasmus Borkowski für Singing in the Rain empfohlen hat).

21. Lebhafte Winterstraße (Caroline Vasicek)
Ein Gedicht von Joachim Ringelnatz.

22. Gabriella's Sång (Carin Filipčić und Ensemble)
Perfekt. Ich beherrsche die schwedische Sprache nicht und kann damit Filipčićs Aussprache nicht beurteilen, ihre Interpretation ließ aber keine Wünsche offen. Sie hatte bloß eine einfache Kerze in der Hand und sang, aber die Stimmung war da. Erst Recht, als nach und nach das Ensemble auf die Bühne kam und ebenso nach und nach die seine Kerzen anzündete bis am Ende alle mit einer Kerze in der Hand dastanden. Was für ein schönes Bild!

23. Deutsches Weihnachtsmedley: Fröhliche Weihnacht, O Tannenbaum, Morgen kommt der Weihnachtsmann, Tochter Zion (alle)
Bei diesem Medley standen alle mehr oder minder in einer Reihe, mit Textbüchern (wieder eher Zierde, außer bei Rasmus Borkowski der alle zwei Sekunden nach unten sah. Entweder konnte er die Texte wirklich nicht oder es war automatisch, weil er den Text eben vor sich hatte) in der Hand. Natürlich waren alle Lieder gekürzt, es war ja auch ein Medley. Ich fand es ein wenig schade, weil es doch etwas kurz kam.

24. Weihnacht (Uwe Kröger)
Gedicht von Elisabeth Dauthendey

25. War is  Over (alle)
Begonnen haben Uwe Kröger und Rasmus Borkowski und niemals an diesem Abend war Krögers Anstrengung deutlicher zu hören als im direkten Vergleich. Das Lied ist bekannt und auch nicht sonderlich schwer. Man kann gar nicht wirklich etwas falsch machen. Ein paar Phrasierungen weniger hätten es auch getan, aber das ist wohl Geschmackssache.

26. Stille Nacht (alle)
Ich persönlich kann auf "Stille Nacht" verzichten solange es nicht der Heilige Abend ist, aber das Lied gehört wohl einfach zu jedem Weihnachtskonzert dazu. Gesungen wurde es quasi als Zugabe nach dem Applaus (auch wenn es natürlich im Programmzettel angeführt ist), was ich für eine gute Idee halte. Denn so entlässt man das Publikum mit dem Klang eines stillen, besinnlichen Liedes im Ohr in den kalten Winter und nicht mit jubelnden Fans.

Mein Fazit: Das ganze Konzert war zum Glück nicht so Uwe-Kröger-zentriert, wie ich befürchtet hatte. Im Gegenteil. Gefühlsmäßig hatten Dennis Kozeluh und Wietske van Tongeren am wenigsten zu tun. Schade, ich hätte von den beiden gerne mehr gehört. Schön, dass man sich oft getraut hat, die Musik und die Stimmen wirken zu lassen und sich nicht krampfhaft um wilde Choreographien bemüht hat. Vor allem der zweite Teil war größtenteils angenehm unaufgeregt und stimmungsvoll. Kurz gesagt: gelungen und sehenswert!

Meinungen Anderer:

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Kommentare:

  1. Großer Herr, o starker König/Ach mein herzliebes Jesulein! (Dennis Kozeluh und Ensemble)

    Das wurde in keiner Vorstelung im Ronacher gesungen, War immer dabei .-)
    lg
    Martin

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  2. Martin, danke für die Information. Wenn es also in keinem der Konzerte gespielt wurde, frage ich mich ernsthaft, warum es dann im Programmzettel stand. Das lässt ja schließen, dass es mal geplant war. Warum ist es dann aus der Show geflogen? Zu kurz vorher, dass man die Zettel noch hätte ändern können? Fragen über Fragen...

    Danke auf jeden Fall für die Klärung der ursprünglichen Frage!

    Liebe Grüße

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  3. Ja, da haben sie den Programmzettel zu früh gedruckt, schade um die Nummer. Wäre mal was Neues gewesen.
    lg
    Martin

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