Mittwoch, 3. November 2010

"Sister Act" folgt "Tanz der Vampire" in Wien

Laut Pressemitteilung der Vereinigten Bühnen Wien werden die Vampire im Juni 2011 von den Klosterschwestern aus Sister Act abgelöst werden:
Das fröhliche Musical mit mitreißenden Choreographien, einem farbenprächtigen Bühnenbild, viel Komik und den grandiosen Songs des achtfachen Oscar-Gewinners Alan Menken ist eine Eigenproduktion von Stage Entertainment, die die VBW in Lizenz für Wien produzieren. Nach dem großen Erfolg in London hat das Musical im Dezember 2010 im Hamburger Operettenhaus Premiere und spielt ab April 2011 auch am Broadway.
Fröhlich, farbenprächtig und eingekauft. Schade, dass sich die VBW unter Kathrin Zechner (der ich Frühlings Erwachen immer noch hoch anrechne) nicht mehr trauen. Nun also dann in beiden Musicaltheatern eine Lizenzproduktion (Ich war noch niemals in New York im Raimund Theater) der Stage Entertainment (langsam ähnelt das alles dem Albtraum, dass Stage Entertainement eines Tage die VBW übernehmen werden). Ich verlange ja nicht, dass immer große Risiken eingegangen werden, die nur Verluste bringen. Aber etwas mehr Innovation wäre doch wünschenswert. Zumindest in einem der beiden Theater. Ist das denn zuviel verlangt? Sind die Cashcows Ich war noch niemals in New York und Tanz der Vampire nicht genug gemolken worden? Vielleicht sollte man einmal bedenken, dass Tanz der Vampire auch einmal nur ein kleines Kalb war, das erst zu einem solchen Erfolg heranwachsen musste. Wäre man damals das Risiko nicht eingegangen, dann wäre Europa (die Welt kommt mir doch etwas zu hochgestochen) um ein großartige Musical ärmer (auch wenn ich von der neuen Wiener Produktion nicht besonders begeistert bin, ist Tanz der Vampire doch ein tolles Musical). Oder wer hätte gedacht, dass Elisabeth einmal ein solch großer Erfolg werden würde, der bis nach Japan exportiert werden konnte?

Hat Kathrin Zechner nicht einmal verlautbart, dass sie im Ronacher Spartenmusical bringen möchte, kleiner Produktionen, Neuheiten und vielleicht sogar kleine Juwele? Oder trügt mich da meine Erinnerung? Bitte jetzt nicht wieder das Argument, dass zum Beispiel Frühlings Erwachen kein Erfolg war und man doch schließlich auch Geld bräuchte um neue (oder zumindest im deutschsprachigen Raum neue) Musicals zu produzieren. Zugegeben das Wedekind-Musical war nicht gut besucht (ich konnte es sechs Mal selber sehen), aber warum nicht? Vielleicht ist schon jemand auf die Idee gekommen, dass es mehr Marketing braucht. Fast jeden Tag liest man etwas über Tanz der Vampire. Sogar das Gratisblatt "Heute" (Ausgabe vom 03.11.2010) erwähnt den Castwechsel. Wann hat man jemals so viel über Frühlings Erwachen gelesen? Wo waren die Interviews und Fotostrecken? Wo waren TV-Spots und breite Plakatwerbung? Oder die offizielle Facebook-Präsenz (oder ist mir diese entgangen?)?

Kurz gesagt, wird die deutschsprachige Musicalwelt um einiges ärmer, wenn die VBW in Zukunft nur noch Lizenzproduktionen der Stage Enterainment einkaufen, die wiederum Shows aus dem West End bringen (zudem werden Wien einige Besucher verloren gehen, wenn es das gleiche Musical auch in Deutschland spielt. Vielfalt ade! Natürlich sind Hamburg und Wien nicht nebenan, aber trotzdem...). Kleinere Bühnen werden sicherlich immer noch Produktionen auf die Bühne bringen, doch vermutlich werden sie immer weiter im Abseits verschwinden. Wie viel wohl von Wiens Ruf als einer der Musicalhauptstädte Europas übrig bleiben wird, wenn es so weiter geht?

Im Web:

Kommentare:

  1. Kann das nur unterschreiben...ganz meine Meinung! :)

    Liebe Grüße,

    Julia

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  2. Danke für den Kommentar und auch eine gleichgesinnte Meinung.

    Liebe Grüße

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