Donnerstag, 24. Februar 2011

[Musical] "Ti Amo" im Wiener Metropol (23.02.2011)

[Bild via]
Nachdem mir das Kranksein Anfang Februar einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, gab es nun nach langer Zeit endlich wieder Theater und Musical für mich. Die Freude darüber währte allerdings nicht lange. Spätestens im zweiten Akt war dann klar, dass Ti Amo es niemals in die Top Ten meiner Lieblinge schaffen wird.

Das beste an diesem Musical war noch der Inhalt. Eine konventionelle Verwechslungskomödie, die aber ganz gut funktioniert. Toto ist der einzige Sohn eines Chicagoer Mafiabosses und möchte nichts lieber als singen. Da das aber nicht in den Plan seines Vaters passt, schickt er ihn zur "Nachhilfe" nach Sizilien. Dort erscheint Toto aber niemals, denn er beschließt zu seinem Onkel Franco nach Wien zu fahren. Der betreibt ein Italo-Restaurant mit Live-Musik, das allerdings äußerst schlecht läuft und wartet auf den neuen Barsänger Toni Piccolo. Als dieser auftaucht, hält er ihn aber für seinen Neffen Toto und Toto später für Toni. Der Grundstein für die weitere Handlung ist gelegt. Kompliziert wird es dann als Tonis Ex-Freundin Gina auf die Bildfläche tritt und sich auch noch die Russenmafia meldet.

Wie gesagt, eine konventionelle Verwechslungskomödie. Unterlegt wurde das Ganze mit zahlreichen bekannten Italo-Hits (zum Beispiel "Azzuro", "Adesso tu", "Ti Amo", "L'italiano"), die zum Teil auf deutsch umgetextet, zum Teil im Original zum Besten gegeben wurden. Die deutschen Texte waren im Großen und Ganzen ganz gut, wenn auch manchmal seltsam. In gewisser Weise könnte man Ti Amo wohl als Juke-Box-Musical bezeichnen.
Die Gags (das Musical ist von Hofbauer & Gull) sind meistens flach und oft vorhersehbar. Was lustig ist, wird überstrapaziert. Gezielt bekannte Werbung zu zitieren kann unterhaltsam sein. Es aber ständig zu machen, lässt Originalität und Einfallsreichtum vermissen. Das Ende ist einfach "over the top" und hätte ruhig eine Nummer weniger gewollt ausfallen können. Die Einbeziehung der Musiker an manchen Stellen wirkt unmotiviert. Unmotiviert ist auch die Charakterisierung von Elisa, der Kellnerin in Francos Lokal. Sie finanziert sich mit dem Job ihr Wirtschaftsstudium. Als sie hört, dass Toto ihnen einen Besuch abstattet, ist sie begeistert und träumt davon einen eigenen Mafia-Zweig in Wien aufzubauen. Warum?

Dazu kam, dass die Choreographie (Sabine Bartosch) wirkte wie die einer Schul- oder Laienproduktion und streckenweise einfach peinlich und dilettantisch war. Leider war sie auch nicht besser getanzt. Meistens wirkten die Darsteller und Darstellerinnen, als würden sie im Kopf mitzählen bei welchem Schritt der Choreographie sie gerade wären. Schade.

Vor allem aber die Leistung der Darsteller und Darstellerinnen  - unter anderen Stefano Bernadin als Toni, Pietro Erik Arno als Toto, Adriana Zartl als Elisa, Miriam Mayr als Gina - war eine Enttäuschung. Durchwegs unterdurchschnittliche Schauspiel- und Gesangsleistungen. Zweiteres ist kaum verwunderlich, wenn man im Programmheft liest, dass die meisten vom Film oder Sprechtheater kommen. Nicht einmal alle Hauptrollen wurden mit Personen besetzt, die sowohl eine Gesangs- als auch eine Schauspielausbildung genossen haben. Doch da bei allen sowieso beides äußerst schwach war, hat es keinen Unterschied gemacht, wer vom Gesang und wer vom Schauspiel kam. In kaum einer Szene wirkte irgendjemand auch nur ansatzweise glaubhaft. Die schlechte Leistung wurde durch die schlechte Akustik (oder Tonsteuerung?) im Metropol noch zusätzlich verstärkt.

Mein Fazit: Nette Idee mit enttäuschender Umsetzung. Laut einem Flyer gibt es bei Vorlage der Karten für Ti Amo 10% Rabatt auf Karten für die Fortsetzung Ti Amo 2. Ich werde das Angebot sicherlich nicht nutzen.

Im Web:

Kommentare:

  1. Autsch. Hört sich ja nicht so gut an...
    Anfangs wollte ich eigentlich auch rein, aber nachdem ich von mehreren Seiten gehört habe, dass es nicht so das Wahre ist, hab ichs dann doch gelassen. Deinem Bericht nach zu schließen wohl doch die richtige Entscheidung...
    Auf jeden Fall danke für den Bericht!

    Lg, Fabienne

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  2. Ich war wirklich nicht begeistert, wie man aus obigen Beitrag unschwer erkennen kann. Die Leute um uns (ich war mit meiner besten Freundin dort) fanden das Musical allerdings zum Schreien komisch und waren begeistert. Geschmäcker und Ohrfeigen sind eben immer noch verschieden.

    Danke für den Kommentar.
    Liebe Grüße
    elisabeth

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  3. Elisabeth ????

    Musik, Theater, Musiktheater und was es sonst noch so gibt. Ich liebe das Theater in allen seinen Formen und darüber möchte ich schreiben.

    You are Sure About it?
    ´cause as you write about Ti Amo, well I´ve seen it many times and its getting always better!!!
    So actually I´m not your according at all to your bad and respectless opinion.
    Regards.
    T

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  4. Dear T,

    First of all, I don't see why my name gets four questions marks. It's my name. You can believe that or not, that's up to you.

    Second of all, yes, I am very sure that I love theatre. However, loving theatre in general does not mean I have to love each and every single show I see. Everybody who frequents the theatre regularly will experience some disappointments now and then. Which does not mean that everyone else will see it the same way. Everybody is entitled to one's own opinion.
    It's in this spirit that I write my blog. For me, there are no "bad" or "good" opinions.
    Personally, I didn't like "Ti Amo". It wasn't my cup of tea. Nevertheless, if you like it then you like and there's nothing bad about that. You have your opinion, I have mine.

    Third of all, I don't see where I was "respectless".

    Kind regards,
    elisabeth

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  5. Habe mir gestern Ti amo 2 angeschaut, war eine nette Unterhaltung für zwei Stunden, jedoch, die Leistungen der meisten Schauspieler waren nicht besonders, manche sogar schlecht - Adriana Zartl war nie in der Rolle, da sie sich ausschließlich darauf konzentrierte, auf der Bühne "schön" zu sein.
    Die Technik war katastrophal - Musik viel zu laut, so dass man die Stimmen kaum hörte, es waren auch die Texte kaum zu verstehen. Wenn gesprochen wurde, dann viel zu schnell, so dass auch hier die Hälfte nicht zu verstehen war.
    Und ganz schlimm: die Schmähs waren extrem seicht und einige Male auch sehr sehr tief.

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