Ein Jahr mit vielen Entwürfen, aber wenigen fertig gestellten Beiträgen:
- Musical: Catch Me If You Can, 03. Jänner 2014, Kammerspiele, Wien
- Musical: Catch Me If You Can, 03. Februar 2014, Kammerspiele, Wien
- Kabarett: Sekundenschlaf (Andreas Vitasek), 05. Februar 2014, Theater Rabenhof, Wien
- Tanz: Flying Bach, 12. Februar 2014, Museumsquartier Halle E, Wien
- Sprechtheater: Quartett, 06. März 2014, Theater in der Josefstadt
- Musical: Rebecca, 09. März 2014, Malmö Opera, Schweden
- Tanz: Riverdance, 14. März 2014, Stadthalle, Wien
- Sprechtheater: Vor dem Ruhestand, 15. März 2014, Theater in der Josefstadt, Wien
- Sprechtheater: Kunst, 06. April 2014, Kammerspiele, Wien
- Musical: Next to Normal, 26. April 2014, Landestheater Linz
- Musical: Mamma Mia!, 27. April 2014, Raimund Theater, Wien
- Musical: Rigor Mortis, 01. Mai 2014, Theater Akzent, Wien
- Musical: Der Besuch der alten Dame, 24. Mai 2014, Ronacher, Wien
- Sprechtheater: Much Ado About Nothing, 12. Juni 2014, Vienna's English Theatre
- Musical: Once Upon a Mirror, 13. Juni 2014, Theater Akzent, Wien
- Bachelor-Show M.U.T., 21. Juni 2014, Konservatorium, Wien
- Musical: Musical Surprise - Avenue Q, 30. August 2014, Theatercouch, Wien
- Musical: Heirate mich ein bisschen, 19. September 2014, Theatercouch, Wien
- Sprechtheater: Die Mausefalle, 21. September 2014, Kammerspiele, Wien
- Musical: [title of show], 25. September 2014, Drachengasse, Wien
- Musical: [title of show], 07. Oktober 2014, Drachengasse, Wien
- Musical Sing Along, 20. Oktober 2014, Theatercouch, Wien
- Konzert: Michael Bublé, 05. November 2014, Stadthalle, Wien
- Sprechtheater: Dial "M" for Murder, 08. November 2014, Vienna's English Theatre, Wien
- Musical: The Rocky Horror Show, 22. November 2014, Museumsquartier, Wien
- Konzert: Musical Christmas, 20. Dezember 2014, Theatercouch, Wien
- Konzert: Weihnachtskonzert, 21. Dezember 2014, Volksoper, Wien
Mit 14.08.2015 gibt es auch eine kleine Rückschau.
Freitag, 2. Januar 2015
Dienstag, 7. Oktober 2014
[Musical] [title of show] im Theater Drachengasse (Premiere, 25.09.2014)
Das Vienna Theatre
Project hat es mal wieder geschafft, ein wunderbares kleines Musical ins
Theater Drachengasse zu bringen und Wien zu zeigen, wie unterhaltsam und
originell Musical sein kann. Mit [title
of show] ist diesmal ein Stück zu sehen, das man in einem Satz
zusammenfassen kann: Zwei Männer schreiben ein Musical darüber, wie sie ein
Musical schreiben.
Jeff (Alan Burgon) und
Hunter (Oliver Watton) sind Freunde und möchten bei einem Festival ein Musical
einreichen. Das Problem dabei: das Festival ist in drei Wochen und sie haben
noch nichts geschrieben. Kurz entschlossen wird aus der Not eine Tugend gemacht
und der Prozess des Schreibens zum Inhalt des Musicals, das eingereicht werden soll. Unterstützt
werden sie dabei von zwei Freundinnen. Heidi (Nazide Aylin), die als Broadway-Darstellerin
von Audition zu Audition geht und dann doch immer wieder nur als Second
Understudy Something engagiert wird. Susan (Lynsey Thurgar) hingegen hat ihre
kreative Seite fast aufgegeben und lebt nun in der Rolle als „Corporate Whore“
in einem großen Unternehmen.
Alle vier spielen und
singen wunderbar. Besonders im Gedächtnis bleiben dabei „Way Back to When“,
Heidis große Ballade und „Die Vampire Die“, das ab sofort mein neues absolut
liebstes Lied über das Kunstschaffen ist. Alan Burgon (in der Drachengasse
schon in Ordinary Days und Tick, tick … BOOM! zu sehen gewesen) und
Oliver Watton tragen das Stück mit Leichtigkeit und viel Charme. Das Beste an
diesem Stück ist sowieso, dass es so herrlich auf den verschiedenen Erzählebenen
spielt und heftig an der vierten Wand lehnt. So unterhalten die beiden Männer sich darüber,
dass Jeff einfach seinen Sessel auf die andere Seite der Bühne zieht, obwohl
sie doch eigentlich an völlig unterschiedlichen Orten sind und überlegen, ob es
nicht etwas Musik braucht, um dem Publikum das Vergehen von Zeit zu
signalisieren. An anderer Stelle wird das Festival mit einem „Festival Medley“
abgehandelt, bevor es quasi wieder in Echtzeit weiter geht und wenn eine Szene zu lang ist, wird das festgestellt und einfach von der Bühne gegangen. Dann gibt es auch
viele obskure und weniger obskure Anspielungen auf Shows und Leute, die das
Musical definitiv zur falschen Show zum Einstieg in das Genre Musical machen,
aber Kenner amüsieren werden.
Das Leading Team bestehend
aus Regisseurin Joanna Godwin-Seidl und musikalischer Leiterin Birgit Zach ist
mittlerweile sichtbar gut eingespielt (auch alle anderen Musicals, die ich
bisher in der Drachengasse gesehen habe, waren sehens- und hörenswert) und wie
immer braucht es auch diesmal weder viele Requisiten noch ein aufwändiges
Bühnenbild, um die nötige Stimmung heraufzubeschwören. Shout-out für Birgit
Zach, die diesmal nicht nur routiniert wie immer am Klavier spielt, sondern
auch ein wenig in die Handlung eingebunden ist.
[title of show] ist noch bis 11. Oktober im Theater
Drachengasse zu sehen. Karten sind vermutlich bereits knapp, also beeilen und
hingehen. Ich bin heute wieder dort!
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- Schaun Sie sich das an: [Title of Show] im Theater Drachengasse (Kultur-Channel)
- [title of show] - Vienna Theatre Project - Theater Drachengasse (musicalawakening)
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Donnerstag, 25. September 2014
[Musical] In Kürze: zwei Abende in der Theatercouch
Neue
Saison, neues Glück. Den Einstand gab’s heuer mit zwei Produktionen in der
Theatercouch in Wien. Bis vor kurzem wusste ich noch nicht einmal, dass sie
existiert, jetzt bin ich schon ein bisschen Fan. Die Theatercouch ist ein von Silke
Müllner und Rory Six gegründeter Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat,
junge Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen, die noch keine großen Säle
füllen oder einfach nur in kleinerem Rahmen etwas auf die Beine stellen wollen.
Dazu kann man die Räume der Theatercouch ganz einfach stundenweise mieten. Eine
wunderbare Idee, die Wien hoffentlich noch sehr lange erhalten bleiben wird.
Vor
allem, wenn dort so großartige Veranstaltungen stattfinden wie die Musical
Surprise am 30. August 2014. Angekündigt war, dass Rory Six, Ulrike Figgener,
Michael Postmann, David Rodriguez, Silke Müllner und Christian Peter Hauser in Zusammenarbeit mit dem Vienna Theatre Project
konzertant ein Musical in deutscher Sprache auf die Bühne stellen werden.
Welches wird erst am selben Abend bekannt gegeben. Was war also die
Überraschung? Avenue Q. Dieser Abend
war vermutlich der beste Anfang für die neue Saison, den man sich wünschen
konnte. Unterhaltsam, intelligent und charmant, rundum gelungen. Ich kenne das
Musical nur auf Englisch, die Übersetzung in der Theatercouch war wohl die aus
St. Gallen (nur Daniel Küblböck als Promi-Hausbesorger stammte aus Deutschland)
und war großteils in Ordnung (nur bei „The Internet is for Porn“ kam man nicht
um das Silbenproblem herum).
Das
Ganze machte ein wenig den Eindruck einer semi-privaten Probe, da der Raum nun
wirklich nicht groß ist und die Darstellerinnen und Darsteller fast gänzlich ohne
Requisiten auskamen. Lediglich die selbst gebastelten Handpuppen (aus Socken
und Pappmaché) sorgten für das notwendige Flair von Avenue Q. Da passte es dann auch ganz wunderbar, wenn die Handlung
für zwei Minuten still stand, weil alle – inklusive der Personen auf der Bühne –
aus dem Lachen nicht mehr herauskamen, es hin und wieder kleinere Texthänger gab
oder mal kurze Unsicherheit herrschte, welche Hand(puppe) gerade hochgehalten
werden sollte. Das alles machte den Charme dieses Abends aus und lenkte weder
von den exzellenten Gesangs- noch Schauspielleistungen der Darstellerinnen und
Darsteller ab.
Nach
so einem gelungenen Abend war es keine Frage, auch den nächsten Musicalabend
der Theatercouch zu besuchen. Mit Heiratete
mich ein bisschen stand diesmal ein Zweipersonen-Musical von Stephen Sondheim
(Lieder), Craig Lucas und Norman René (Idee) auf dem Spielplan. Das Stück besteht
aus Liedern von Sondheim, die aus anderen Musicals (z.B. A Little Night Music, Follies,
Companies, u.a.) gestrichen wurden.
Es ist eine Art Revue-Musical, in dem zwei Menschen einen Samstagabend in ihren
Appartements verbringen. Sie treffen sich nicht und sind nur hin und wieder in
ihrer Vorstellung ein Paar, wenn sie über Beziehungen und die Liebe sinnieren. Das
Konzept klingt gut, aber leider blieb vieles in der Inszenierung der
Theatercouch unklar. Dass die beiden in Wohnungen wohnen, die direkt
untereinander liegen, konnte man nur dem Programmzettel entnehmen und auch
vieles andere wurde mir erst klar, als ich nachher im Internet ein wenig das
Musical recherchierte, um meine vielen, vielen Fragezeichen aufzuklären. Das
ist besonders schade, weil sowohl Rory Six als auch Marle Mertens (begleitet
von Bettina Bogdany) sehr gut gesungen und gespielt haben.
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Mittwoch, 23. Juli 2014
Vienna Theatre Project: West End Summer + [Title of Show]
Außerdem bringt das Vienna Theatre Project im Herbst mal wieder ein Musical. Von 25. September bis 11. Oktober wird [Title of Show] von Jeffrey Bown und Hunter Bell als Österreichpremiere im Theater Drachengasse zu sehen sein. Regie und musikalische Leitung werden von Joanna Godwin-Seidl respektive Birgit Zach übernommen, Rory Six, Oliver Watton, Nazide Aylin und Lynsey Thurgar auf der Bühne stehen. Mehr dazu hier.
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Dienstag, 31. Dezember 2013
2013
Musical
CD
Film
Sprechtheater
Ballett
Sonstiges
- Elisabeth, 4. Jänner 2013, Raimund Theater, Wien
- Lucky Stiff, Februar 2013, Kammerspiele, Wien
- Blitze, überall Blitze, 8. Mai 2013, Off-Theater, Wien
- Elisabeth, 10. April 2013, Raimund Theater, Wien
- Natürlich Blond, 7. Juni 2013, Ronacher, Wien
- Bachelor-Show Musikalisches Unterhaltungstheater, 21. Juni 2013, Konservatorium Wien, Wien
- Spring Awakening, 4. Juli 2013, Vienna's English Theatre, Wien
- Sweeney Todd, 05. Oktober 2013, Volksoper, Wien
- Tick, tick ... BOOM!, 08. Oktober 2013, Theater Drachengasse, Wien
- Tick, tick ... BOOM!, 12. Oktober 2013, Theater Drachengasse, Wien
- Music that Matters, 21. Oktober 2013, Theater Drachengasse, Wien
- Love Never Dies (konzertant), 24. Oktober 2013, Ronacher, Wien
- Catch Me If You Can, 27. Oktober 2013, Kammerspiele, Wien
- Catch Me If You Can, 30. Dezember 2013, Kammerspiele, Wien
CD
- 35mm: A Musical Exhibition (Ryan Scott Oliver)
Film
Sprechtheater
- Lady Windermeres Fächer, 25. Mai 2013, Theater in der Josefstadt, Wien
Ballett
- Nurejew Gala 2013, 29. Juni 2013, Staatsoper, Wien
Sonstiges
- Musik nach Noten (Otto Schenk), 17. September 2013, Konzerthaus, Wien
Sonntag, 20. Oktober 2013
[Musical] "Tick, tick ... BOOM!" (Theater Drachengasse, 08./12.10.2013)
Es ist immer schön, wenn man recht hat und ganz besonders, wenn das auch mit zwei überaus unterhaltsamen/berührenden Besuchen im Theater verbunden ist. Vor einer Weile hatte ich in diesem Blog blind empfohlen, sich doch Tick, tick ... BOOM! im Theater Drachengasse anzusehen, da mich die Erfahrung gelehrt hat Produktionen des vienna theatre projects erstmal hohe Erwartungen entgegen zu bringen. Nun, nachdem ich das Musical jetzt zweimal gesehen habe (einmal abends und dann noch die Zusatzvorstellung am Samstagnachmittag) fühle ich mein vorauseilendes Lob vollkommen bestätigt. Was da in kleinem Rahmen, mit wenig Budget und (offensichtlich) viel Engagement auf die Beine gestellt wurde, war wirklich sehenswert.
Tick, tick ... BOOM! ist ein autobiographischer Einakter von Jonathan Larson (seines Zeichens auch verantwortlich für den Hit RENT) der von Ängsten und Sorgen eines Musicalautors erzählt. John wird bald 30 und verdient, obwohl eigentlich Musicalautor, seinen Lebensunterhalt immer noch mit Kellnern. Sein bester Freund Michael hat den Traum vom Schauspielern längst aufgegeben und ist erfolgreich im Marketinggeschäft tätig, inklusive luxuriöser Wohnung auf der East Side und neuem BMW. Seine Freundin Susan will weg aus New York, Sicherheit und eine Familie gründen. John will lediglich das amerikanische Musical revolutionieren, wie sein Idol Stephen "He-Who-Must-Not-Be-Named" Sondheim. Aber wie lange soll er diesem Ziel noch folgen? Wann ist es Zeit das Leben eines "starving artist" aufzugeben? Ist ein solides, gesichertes Leben das Opfer der eigenen Träume wert? Wie geht man um mit Unsicherheit, Ängsten und Sorgen um?
Erzählt wird die Geschichte mit intelligenten ("Therapy"), witzigen ("No More", "30/90") und berührenden ("Real Life", "Why") Texten und einer Mischung aus Pop- und Rockmelodien. Eine der besten Nummern ist übrigens "Sunday", das - wunderbar parodistisch - unglaublich banalen Text mit einer übertriebenen Musical-Grandezza in Musik und Choreographie verbindet. Dass RENT ebenfalls aus Larsons Feder stammt ist an manchen Stellen nicht zu überhören, tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Erzählstruktur. John ist nicht nur Protagonist, er führt auch als Erzähler durch das Stück, erklärt, und kommentiert. Die meiste Zeit funktioniert das sehr gut, nur wenn John sagt "I was afraid", ist man schnell daran zu denken, dass es da doch diese "Show - don't tell"-Regel gibt (glücklicherweise wird der "Tell-Teil" dann eh drei Sekunden später umgesetzt). Auch das ziemlich fröhliche Alles-wird-gut-Ende kommt ein wenig zu schnell.
Als John stand Kieran Brown auf der Bühne, der in dieser Rolle vollends überzeugen konnte. Mit subtilem Sarkasmus oder großartigem Timing für die komischen Momente, vor allem aber mit seiner warmen Stimme, die nur ein einziges Mal im Moment höchster Emotionalität ein wenig bricht. Wow. Ihm zur Seite standen Alan Burgon und Nina Weiss. Burgon hat eine Art, die ihn auf der Stelle sympathisch macht, eine kräftige Stimme, die in Erinnerung bleibt und spielt überzeugend. Meine Freundin und ich waren uns nicht ganz einig, wen der beiden Herren wir besser fanden. Weiss gibt eine sympathische Freundin, gefällt aber vor allem als Agentin und überdrehte Darstellerin in Johns Stück. Alle drei spielen fantastisch miteinander.
Joanna Godwin-Seidl bewies wieder einmal ein Gespür dafür, wie man den kleinen Raum optimal nutzen kann. Die kleine Band (Schlagzeug: Franz Hofferer, Gitarre: Roman Schwendt) unter der Leitung von Birgit Zach (auch am Piano) trug ebenfalls zu einem wunderbaren Theatererlebnis bei.
Fazit: Tick, tick ... BOOM! in der Drachengasse war eine wirklich sehenswerte Produktion des vienna theatre projects. Verdienterweise ausverkauft und mit einer Zusatzvorstellung geehrt. Schade, dass es nur so kurz zu sehen war.
Tick, tick ... BOOM! ist ein autobiographischer Einakter von Jonathan Larson (seines Zeichens auch verantwortlich für den Hit RENT) der von Ängsten und Sorgen eines Musicalautors erzählt. John wird bald 30 und verdient, obwohl eigentlich Musicalautor, seinen Lebensunterhalt immer noch mit Kellnern. Sein bester Freund Michael hat den Traum vom Schauspielern längst aufgegeben und ist erfolgreich im Marketinggeschäft tätig, inklusive luxuriöser Wohnung auf der East Side und neuem BMW. Seine Freundin Susan will weg aus New York, Sicherheit und eine Familie gründen. John will lediglich das amerikanische Musical revolutionieren, wie sein Idol Stephen "He-Who-Must-Not-Be-Named" Sondheim. Aber wie lange soll er diesem Ziel noch folgen? Wann ist es Zeit das Leben eines "starving artist" aufzugeben? Ist ein solides, gesichertes Leben das Opfer der eigenen Träume wert? Wie geht man um mit Unsicherheit, Ängsten und Sorgen um?
Erzählt wird die Geschichte mit intelligenten ("Therapy"), witzigen ("No More", "30/90") und berührenden ("Real Life", "Why") Texten und einer Mischung aus Pop- und Rockmelodien. Eine der besten Nummern ist übrigens "Sunday", das - wunderbar parodistisch - unglaublich banalen Text mit einer übertriebenen Musical-Grandezza in Musik und Choreographie verbindet. Dass RENT ebenfalls aus Larsons Feder stammt ist an manchen Stellen nicht zu überhören, tut der Unterhaltung aber keinen Abbruch. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Erzählstruktur. John ist nicht nur Protagonist, er führt auch als Erzähler durch das Stück, erklärt, und kommentiert. Die meiste Zeit funktioniert das sehr gut, nur wenn John sagt "I was afraid", ist man schnell daran zu denken, dass es da doch diese "Show - don't tell"-Regel gibt (glücklicherweise wird der "Tell-Teil" dann eh drei Sekunden später umgesetzt). Auch das ziemlich fröhliche Alles-wird-gut-Ende kommt ein wenig zu schnell.
Als John stand Kieran Brown auf der Bühne, der in dieser Rolle vollends überzeugen konnte. Mit subtilem Sarkasmus oder großartigem Timing für die komischen Momente, vor allem aber mit seiner warmen Stimme, die nur ein einziges Mal im Moment höchster Emotionalität ein wenig bricht. Wow. Ihm zur Seite standen Alan Burgon und Nina Weiss. Burgon hat eine Art, die ihn auf der Stelle sympathisch macht, eine kräftige Stimme, die in Erinnerung bleibt und spielt überzeugend. Meine Freundin und ich waren uns nicht ganz einig, wen der beiden Herren wir besser fanden. Weiss gibt eine sympathische Freundin, gefällt aber vor allem als Agentin und überdrehte Darstellerin in Johns Stück. Alle drei spielen fantastisch miteinander.
Joanna Godwin-Seidl bewies wieder einmal ein Gespür dafür, wie man den kleinen Raum optimal nutzen kann. Die kleine Band (Schlagzeug: Franz Hofferer, Gitarre: Roman Schwendt) unter der Leitung von Birgit Zach (auch am Piano) trug ebenfalls zu einem wunderbaren Theatererlebnis bei.
Fazit: Tick, tick ... BOOM! in der Drachengasse war eine wirklich sehenswerte Produktion des vienna theatre projects. Verdienterweise ausverkauft und mit einer Zusatzvorstellung geehrt. Schade, dass es nur so kurz zu sehen war.
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Samstag, 12. Oktober 2013
[Musical] "Sweeney Todd" (Volksoper, 05.10.2013)
Sweeney Todd - Blutbad in der
Volksoper
„Es gibt nur ein London“ singt der Seemann
Anthony, als die Geschichte um Sweeney Todd, den Barbier des Grauens“ in der
Fleet Street beginnt. Dieses London, zur Zeit der Industriellen Revolution ist
in der Wiener Volksoper als Auftakt zur neuen Saison neu auferstanden.
Sweeney Todd kehrt mit dem Seemann Anthony
in seine alte Heimat London zurück. Sein Weg führt ihn zu seiner alten Wohnung
unter der sich nun ein Laden für Fleischpasteten befindet. Mrs. Lovett, dessen
Besitzerin, ködert ihn in seinen Laden. Und so wird der ehemalige Barbier von
seiner Vergangenheit eingeholt. Richter Turpin ließ ihn vor Jahren verbannen,
seine Frau Lucy verfiel dem Wahnsinn und seine Tochter Johanna wird vom Richter
großgezogen, der sie zudem noch heiraten will. Sweeney Todd schwört Rache und
wird zu einer Killermaschine, schneidet, seinen alten Beruf als Barbier wieder
aufnehmend, seinen Kunden die Kehle durch, mit dem praktischen Nebeneffekt,
dass Mrs. Lovetts Fleischvorrat gefüllt und ihr Geschäft wieder zum Laufen
gebracht wird. Solange bis alles aus dem Ruder läuft...
Die Inszenierung von Matthias Davids
selbst ist gut gelungen. Als Mrs. Lovett dem nach London zurück gekehrten
Sweeney Todd erzählt, was Richter Turpin seiner Familie antat, wurde dies
aufwändig (Besonders zu erwähnen sind hier die Kostüme von Susanne Hubrich)
im Hintergrund inszeniert. Fabrice Kebour tauchte die Szenerie in kaltes
Licht. Besonders am Ende des zweiten Aktes wird das Licht klug eingesetzt und
formt das Bühnenbild in verschiedene Ortschaften und Stimmungen. In Mrs.
Lovetts Strandurlaubs-Lied wäre ein verträumteres Lichtdesign wünschenswert
gewesen, das hätte das Lied unterstützt. Etwas unlogisch war die Tatsache dass
allein bei der Ermordung von Sweeney Todd kein Kunstblut floss (oder spritzte).
Die Übersetzung aus der Feder Wilfried
Steiners ist gelungen, auch wenn sie vom Reimschema und Intonation dem
Original nicht das Wasser reichen kann. Nur die Zeile „Wir tratschen und ich
hol' dir die Patschen“ passte stilistisch nicht zum Rest der Übersetzung.
Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau
zeigt und ein kühles, in Grautönen und rot gehaltenes Maschinerie-London. Riesige Zahnräder als
Flächen und Schrauben als Säulen sollen den Zuschauer darauf aufmerksam machen,
dass wir uns in der Zeit der Industriellen Revolution befinden. Hier bekommt
der Einsatz der Drehbühne zusätzlich noch einen Fabrikcharakter.
Erfrischend anders als der Großteil der
heute in Wien zu sehenden Musicals ist der Gesang. Während wir heute in anderen
Häusern zumeist „Rockopern“ lauschen und auch der Gesang der älteren,
operettenhaftigeren Stücke immer mehr in Richtung Pop geht, eine Kaiserin
Elisabeth, anstatt sauber ihre Töne zu singen, ihre Zeilen beltet oder notfalls
nur noch schreit, darf man bei „Sweeney Todd“ in der Volksoper noch klassisch
ausgebildeten Stimmen lauschen, was dem ganzen Stück eine ganz andere Qualität
verleiht. Das Team von Sweeney Todd beschränkte sich auf die hauseigenen
Sänger anstatt extern zu casten. Dadurch ist der Gesang zu der teils pompösen
Komposition Stephen Sondheims, die gekonnt vom Orchester unter der Leitung von Joseph
R. Olefirowicz umgesetzt wird, durchaus passend.
Die Sänger taten einen guten Job. Marco
Di Sapia spielte an diesem Abend Sweeney Todd und war sowohl gesanglich als
auch darstellerisch sehr überzeugend. Statt Volksopern-Direktor Robert Meyer
schlüpfte Kurt Schreibmayer in die Rolle des Richter Turpin und gab
einen passionierten Antagonisten. Dagmar
Hellberg war eine überzeugende Mrs. Lovett, verzweifelt, tragisch aber auch
lustig. Allein Anita Götz als Johanna, Sweeneys Tochter, war
enttäuschend. Ihr eigentlich melancholisches Solo „Grünfink und Nachtigall“
klang wütend und trotzig. Ihr Spiel war unglaubwürdig, wurde gegen Ende, als ihr
Charakter aus dem Irrenhaus flieht, aber glaubwürdiger.
Fazit: Sweeney Todd ist ein durchaus
sehenswertes Musical, skurril, gut gesungen und ein Stück mit Qualität, derer
es in Wien mehr geben sollte.
(c) Natalie S.
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