Sonntag, 6. November 2011

[Musical] "Wenn Rosenblätter fallen" im Theater Akzent (03.11.2011)

Es passiert - zumindest mir - nicht besonders oft, dass viele Besucherinnen sich schon vor Beginn des Stücks versichern, genügend Taschentücher dabei zu haben. Auch dass der erste Eindruck, nachdem der Eiserne Vorhang sich hebt, von sehr unangenhem riechenden und Kopfschmerzen verursachenden Räucherstäbchen (oder war's doch der Bühnenebel?) dominiert ist, passiert nicht alle Tage. Es wurde dann aber doch ein sehr berührender Abend bei Wenn Rosenblätter fallen im Theater Akzent.

Das Musical von Rory Six und Kai Hüsgen (zusätzliche Texte Ellen de Clercq)
erzählt die Geschichte des 19-jährigen Till, dessen alleinerziehende Mutter Rose kürzlich an Krebs verstorben ist. Von nun an auf sich allein gestellt bleiben ihm allein die Erinnerungen und die Briefe, die ihm Rose vor ihrem Tod geschrieben hat, damit sie ihn durch sein Leben begleiten. Der Schmerz und die Trauer über den noch nicht verarbeiteten Verlust werden stärker, als Till im Studium die gleichaltrige Iris kennenlernt. Beide kommen sich rasch näher, doch auf verstörende Weise erinnert sie Till mit ihrer quirligen und offenen Art an seine Mutter. Hin und hergerissen zwischen Liebe und Trauer wirft er sie schließlich hinaus und sucht Halt in den Briefen, die seine Mutter ihm hinterlassen hat. Noch einmal durchlebt Till ihre letzten gemeinsamen Monate, Roses Kampf gegen den Krebs, Momente der tiefsten Verzweiflung, aber auch der Hoffnung und Liebe. Er erkennt, dass er sich seinen Gefühlen und der eigenen Rolle in dieser Geschichte stellen muss, um die Vergangenheit zu bewältigen. [weil ich gerade zu faul für eine eigene Zusammenfassung bin zitiert von der Homepage]
[Bild via]
 Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Einmal in der Gegenwart wird die Beziehung zwischen Iris und Till entwickelt und quasi in Rückblenden sehen wir Till immer wieder mit Rose. Der Mutter-Sohn-Beziehung wird hier gefühlt mehr Zeit gewidmet und trotzdem kommt die Auseinandersetzung mit dem heiklen Thema Sterbehilfe in meinen Augen etwas zu kurz. Am Ende geht es dann doch etwas schnell und Tills wirkliche Aufarbeitung "seiner eigenen Rolle in dieser Geschichte", wie die Macher so schön sagen, findet wohl erst nach der Musicalhandlung statt.
Trotzdem ist das Musical gut gelungen und an vielen Stellen berührend, wenn der Funke auch nicht immer zu mir übergesprungen ist. Ich habe jedenfalls keine Sturzbäche geweint, was vielleicht auch daran lag, dass Carin Filipcic die engagierte, lebenslustige Mutter besser gelungen ist als die sterbenskranke Rose. So richtig wollte und wollte es nicht immer bei mir ankommen. Exzellent in allen Lagen jedenfalls war Dirk Johnston als Till, der eine wunderbar warme Stimme hat und ein Gesicht, das fast ganz alleine Geschichten erzählt. Erfrischend quirlig steht den beiden noch Jana Stelley zur Seite, die schon wie in Wicked oder Hairspray auch hier ihr komisches Talent zeigen durfte und dennoch auch in den ernsteren Momenten überzeugend ist.
Die drei agieren in einem einfachen, aber passenden und zweckmäßigen Bühnenbild von Beata Kornatowska, in Kostümen von Richard Penzenböck unter der Regie von Dirk Schattner. Hin und wieder wäre es gut gewesen, wenn auf dem Zeichenblock auch tatsächlich Zeichnungen zu sehen gewesen wären, aus den vorderen Reihen sieht man nämlich, wenn dem nicht so ist. Die Musik zeichnet vor allem Stimmungen und unterstützt die Darstellung, wirklich ins Ohr geht sie dabei aber nicht.

Alles in allem ist Wenn Rosenblätter fallen ein sehenswertes Musical und auf der Tournee (es war vor Wien auch in Datteln, Hamburg und Mannheim zu sehen) auch sehr gut besetzt gewesen. Dass das Programmheft kein Heft ist, sondern ein paar lose Zetteln in einem Kuvert, will ich hier nur am Rande erwähnt haben. Es wirkt jedenfalls nicht sehr professionell.

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Kommentare:

  1. Ich habe auch keine Sturzbäche geweint. Aber ich kann das auch einfach nicht. Nicht im Theater, nicht bei Filmen oder Büchern.

    In Datteln waren die "losen Zettel" an der oberen linken Ecke zusammengenietet, das fand ich nett, weil es mal was anderes ist.

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  2. Eine kleine Träne hab ich schon geweint, aber was ich da im Vorfeld teilweise für Geschichten gehört habe... Da fingen wohl Leute schon in den ersten drei Takten des Stücks zu weinen an.

    Zumindest irgendwie zusammen geheftet. Auf Nachfrage hab ich dann erfahren, dass das ein Provisorium ist, weil die Programme nachgedruckt werden mussten und offenbar keine Zeit mehr war, sie auch zu heften.

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