Freitag, 14. August 2015

Rückschau und Vorschau

Die letzten Monate, ja eigentlich das ganze letzte Jahr waren auf diesem Blog sehr ruhig. Das hatte verschiedene Gründe, die alle nicht wichtig sind. Ich möchte diesen Post nun dazu nutzen, ein bisschen auf die Saisonen 2013/14 sowie 2014/15 zurückzuschauen und endlich die Entwürfe zu recyceln, die es nie zu einem eigenständigen Post gebracht haben.


Gehen wir dazu gleich mal weit zurück ins Jahr 2013. Da gab man im Wiener Ronacher die konzertante Aufführung von Love Never Dies, die Fortsetzung von The Phantom of the Opera. Ich hatte den Blogpost damals mit der Inhaltsangabe angefangen und nach der Zusammenfassung dieses Topfens gleich die Lust verloren weiterzuschreiben (die inhaltlichen Schwächten treten eben leider bei einer konzertanten Version viel stärker hervor als zum Beispiel noch auf der DVD der australischen Produktion). Dabei hatte Love Never Dies sich das absolut nicht verdient. Die Produktion war nicht perfekt, aber sie war auch bei Weiten nicht das inszenatorische Desaster vom Phantom das Jahr davor, auch wenn auch diesmal wieder ein paar unnötige Tanz- bzw. Akrobatikeinlagen dabei waren. Abgesehen davon war das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien großartig und auch die Darstellerinnen und Darsteller konnten überzeugen. Milica Jovanovic als Christine Daaé ist eine Entdeckung. Sie singt wunderbar klar und ist auch noch in den Höhen sehr gut zu verstehen. Außerdem spielt sie glaubwürdig. Ihre Christine ist nicht mehr das naive Mädchen, sondern eine Mutter, die versucht ihrem Sohn Menschlichkeit beizubringen und eine Frau, die trotz kaputter Ehe, nicht aufhören will, an die große Liebe zu glauben. Drew Sarich als das Phantom war gut, aber hatte von Zeit zu Zeit ein Schnaufen, das mir auf den Geist gegangen ist. Julian Looman ist mir noch aus Keine halben Sachen in Amstetten in Erinnerung und machte auch als Raoul eine gute Figur.


Besonders schade ist, dass ich nie über Catch Me If You Can geschrieben. Das Musical der Saison 2013/14 in den Kammerspielen war ein Traum, weswegen ich es auch gleich viermal gesehen habe. Die Geschichte rund um den Trickbetrüger Frank Abagnale und dessen Widersacher den etwas biederen FBI-Beamten Carl Hanratty ist ein bunter, unterhaltsamer Spaß mit eingängen Melodien und ernsten Untertönen. Unter der exzellenten Regie von Werner Sobotka und der musikalischen Leitung von Christian Frank, unterstützt von den Choreographien von Simon Eichenberger zeigten die Kammerspiele eine äußerst professionelle Produktion, die den Vergleich mit größeren Häusern nicht scheuen musste. Rasmus Borkowski stand die Rolle des Frank Abagnale Jr. wesentlich besser zu Gesicht als die russischen Theaterstücke in der Josefstadt. So dynamisch und gut bei Stimme hatte man ihn schon lange nicht mehr erlebt. Martin Berger gab einen sympathischen Carl Hanratty, dem man die Verhaftung von Frank am Ende wirklich gönnte. Einzig die deutsche Übersetzung (original Scott Wittman & Marc Sheiman, deutsch Werner Sobotka) war an manchen Stellen etwas holprig. Trotzdem, wer das nicht gesehen hat, hat was verpasst.


Ein Urlaub führte mich im März 2014 nach Kopenhagen. Von dort war es nur ein kurzer Abstecher ins schwedische Malmö, wo zu der Zeit Rebecca (Kunze/Levay) am Spielplan stand. Im Malmöer Opernhaus präsentierte das Musical unter der Regie von Åsa Melldahl, mit den Kostümen von Annsofi Nyberg und dem Setdesign/Licht von Bengt Gomér optisch vollkommen anders als in Wien. Anstatt großem Bühnenbild gab es einige Requisiten (eine Couch hier, ein Bücherregal da) und viele Projektionen. Die Übersetzung kann ich nicht beurteilen, aber an manchen Stellen hätte ich gerne verstanden, was gesagt wurde, da sich hin und wieder Fragezeichen bildeten. Trotz mancher Verständnisschwierigkeiten konnte die Produktion vor allem musikalisch und lichttechnisch überzeugen. „Strandgut“ war ein Gänsehautmoment. Durchaus sehenswert.


Zurück in Österreich  ging es im April nach Linz zu Next to Normal. Dieses Stück wollte ich schon sehr lange sehen. Zur Produktion in Fürth in Deutschland habe ich es nicht geschafft und so gab es lange Zeit nur die CD vom Broadway für mich. Danke, Linzer Landestheater! Was man da auf die Beine gestellt hatte war beeindruckend. Es ist kein leichtes Stück, weder inhaltlich noch musikalisch. Es braucht nicht nur hervorragende Sänger, sondern vor allem auch Schauspieler, besonders für die Hauptrolle der bi-polaren Diana Goodman. Dieser Herausforderung hat sich Kristin Hölck gestellt. Und wie! Großartig und nie übertrieben, immer glaubhaft. Oliver Liebl legte Gabe irgendwo zwischen diabolisch und unsicher an (Hut ab fürs Kopfübersingen!), Lisa Antoni als Natalie viel besser als bei Rudolf (mag am Stück liegen). Reinwald Kranner als Dan und Christian Manuel Oliveira als Henry (etwas zu alt für die Rolle) und Rob Pelzer als Dr. Madden komplettierten das Ensemble. Linzer Landestheater, ich behalte dich im Auge.


Auch zwei Stücke der VBW standen letztes Jahr am Plan. Mamma Mia! war nett, unterhaltsam und schwungvoll. Über Der Besuch der alten Dame könnte man vermutlich Romane schreiben, wäre man dazu bereit. Ich belasse es bei: absolut, überhaupt gar nicht meins.


Das neue Musicaljahr läutete für mich Der Zauberer von Oz im Volkstheater im März 2015 ein. Fast hätte ich es nicht gesehen, aber dann gab es zwei Zusatzvorstellungen aufgrund der großen Nachfrage. Ein Glück für mich. Das war ein wirklich unterhaltsamer Vormittag. Sehr zu empfehlen, nicht nur für Kinder. Ein gutes Jahr nach Malmö hatte ich im März 2015 das Vergnügen The Book of Mormon in London zu sehen. Ähnlich wie bei Next to Normal hatte ich bisher nur die CD und mein Kopfkino. Das Musical über zwei mormonische Missionare, die versuchen in Uganda ihre Bestimmung zu finden, ist sicherlich nicht jedermanns Sache und manche Witze sind auch wirklich flach, aber ich fühlte mich richtig gut unterhalten. Kein Wunder, dass die Show immer ausverkauft ist. Wer das Stück billig sehen will und etwas Zeit hat, dem ist die Ticket-Lotterie zu empfehlen. Täglich werden einige gute Karten billig verlost. Ein kleines Erlebnis für sich.


Mary Poppins im Ronacher war endlich wieder eine Produktion der VBW, die ich anderen empfehlen würde. Es mag nicht gerade innovativ sein, aber zumindest ist es richtig gut gemacht. Wenn ich die Wahl habe zwischen alt aber gut und neu aber furchtbar, wähle ich doch lieber den Abend, an dem ich mir nicht überlege, was ich mir alles um den Preis der Karten hätte kaufen können (ich sehe auf dich, alte Dame). Die zauberhafte Geschichte vom Kindermädchen, das mit ungewohnten Methoden den Haushalt der Banks auf Vordermann bringt macht sich gut im Ronacher.


Auch das Sprechtheater hat mich einige Male gesehen. Mein Abo beim English Theatre ist jeden Cent wert. Besonders Venus in Fur im Jänner 2015 hat sich in die Erinnerung eingeprägt. Ebenfalls auf Englisch brachte das Theater Drachengasse Disgraced, wie eigentlich immer in der Drachengasse sehr gut gespielt. Empfehlen kann ich auch Richard III von Michael Niavarani im Globe Wien, das im Herbst wieder aufgenommen wird. Shakespeares Tragödie als Komödie. Laut und anzüglich, lustig und auch tragisch – dem Barden hätte es sicher gefallen. Endlich habe ich es auch nach Carnuntum geschafft, wo schon seit ein paar Jahren immer wieder das Globe Theatre aus London zu Gast ist. Romeo and Juliet musste einfach sein. Sehr gerne nächstes Jahr wieder! Hervorheben möchte ich zum Schluss noch Aufstieg und Fall von Little Voice. Mit diesem Stück habe ich meine Saison 2014/15 beendet. Mir war das kleine, feine Stück bisher vollkommen unbekannt, aber man darf den Kammerspielen zur Stückauswahl gratulieren. Eva Mayer in der Hauptrolle bleibt im Gedächtnis, auch wenn sie kaum zehn Sätze zu sprechen hat. Der Gesang aber, ein Traum!


Zu guter Letzt noch ein kleiner Ausblick. In Zukunft werde ich den Blog nicht mehr nach Kalenderjahren organisieren, sondern nach Saisonen. Das fügt sich organischer ins Theaterleben. Welche Beiträge kann man erwarten? Nun, ich habe vor wieder aktiver zu sein. Beginnen werde ich mit Sicherheit mit Hairspray. Die Bühne Baden zeigt das Musical in deutscher Sprache und ich hatte die Möglichkeit die Generalprobe zu sehen. Ich freue mich schon auf die reguläre Vorstellung am 02. September, für die ich schon eine Weile Karten habe. Zudem möchte ein bisschen über die DVDs und CDs schreiben, die Aufnahme in meine Sammlung gefunden haben. Ansonsten lasse ich mich überraschen, was die neue Saison alles bringt, vermutlich Mozart! im Raimund Theater, Mary Me a Little in der Drachengasse, Pygmalion im English Theatre und hoffentlich noch viel, viel mehr.

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