Mittwoch, 10. Oktober 2012

[Musical] "Ordinary Days" (09.10.2012, Theater Drachengasse)

Und wieder einmal rettet ein kleines Theater den Ruf Wiens als Musicalstadt. Das Theater Drachengasse zeigt mit Ordinary Days noch bis 13. Oktober  wie Musical (auch) sein kann und soll. Unaufgeregt, berührend, mitreißend und lebensnah.

[Bild via (c) viennatheatreproject]

Ordinary Days ist eine Art „Episodenmusical“, wenn man das so nennen kann. Adam Gwon (über den leider nichts im Programm steht) lässt uns am Leben und Gefühlsleben von vier Menschen teilhaben, die in New York leben. Claire und Jason sind ein Paar und gerade erst zusammen gezogen, aber so ganz rund läuft es nicht. Deb, eine neurotische Studentin, kämpft mit ihrem Lebensplan und Warren fühlt sich etwas verloren in der großen Stadt. Sie haben sich am Ende weiterentwickelt, aber nur Claires Geschichte hat eine wirklich interessante Wendung (die ich an dieser Stelle nicht verraten will, weil sie einen der besten Momente des ganzen Musicals zerstören würde). Ein bisschen banal ist das alles schon irgendwie. Ordinary people und ordinary days eben.
Alle vier sind gewissermaßen Archetypen und gerade Debs Charakter wirkt hie und da etwas überzeichnet. Sarah Est meistert diese Herausforderung und zeigt komödiantisches Talent („Dear Professor Thompson“ war wirklich gut). Auch Peter Neustifter (Warren) weiß zu überzeugen. Alan Burgon legt die Figur des Jason sehr sanft und gefühlsbetont an (Highlight: „Favourite Places“) und sein Duett „Fine“ mit Kudra Owens (Claire) sprüht vor Chemie. Gerade letztere hat mit „Gotta Get Out“ und „I’ll be here“ die stärksten Momente des Abends. Was für eine Stimme! Die vier Darstellerinnen und Darsteller nehmen einen vom ersten Moment an für sich ein und schaffen es, dass man ihnen trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Alltäglichkeit ihrer Sorgen, bis zum Ende gerne zusieht und -hört.
Das Musical handelt zu einem großen Teil auch von der Entfremdung in einer großen Stadt, in der man zwar nie alleine, aber oft einsam ist. Dass das auch in der kleinen Kulisse des Theater Drachengasse funktioniert, ist schon ein wenig erstaunlich. Schließlich stehen die Darstellerinnen und Darsteller den Leuten in der ersten Reihe fast auf den Füßen und das Bühnenbild besteht lediglich aus einem Baugerüst und zwei Kisten. Doch unter der Regie von Joanna Godwin-Seidl und der musikalischen Leitung von Brigit Zach (auch am Piano) entfaltet das Stück einen Charme, der sicher nicht nur dieser physischen Nähe geschuldet ist.

Fazit: Überaus sehenswert. Wer es noch nicht gesehen hat und noch Karten bekommt (gestern war die Vorstellung ausverkauft), sollte hingehen.

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