Samstag, 8. Oktober 2011

[Konzert] "An Evening Without ... Scott Alan" (07.10.2011, Theater 82er Haus)

Es gibt sie. Diese raren Theaterabende, bei denen alles stimmt. Erlebt habe ich ihn gestern (07. Oktober 2011) im Theater 82er Haus in Gablitz bei An Evening Without … Scott Alan. Sechs wunderbare Stimmen (bei fünf Musicaldarstellern/-darstellerinnen), eine Gitarre, ein Cello, ein Piano und eine exzellente Liedauswahl.

Das Konzept von An Evening Without… ist schnell erklärt. Man nehme die Lieder eines hierzulande eher unbekannten Musical-Komponisten/Songwriter und bringe sie in reduziertem Setting auf die Bühne. In diesem Fall handelte es sich um Scott Alan. Nach einer Konzertreihe im Jahr 2009 (Bericht des Kultur-Channels hier) gab es nun in Gablitz einer Wiederaufnahme. Was für eine gute Entscheidung, auch wenn das Gablitzer Publikum an diesem Abend bis auf ein paar Ausnahmen eher nicht nach Musical-Publikum ausgesehen hat. Doch vielleicht liegt darin der Zauber von Scott Alan, dass er mit seinen Songs alle berühren kann. Passend dazu das Motto dieses Abends:
I guess, you know you've written a good song when it's so personal to you and yet reaches so many others. (Scott Alan)
Ich weiß gar nicht so recht, wo ich beginnen soll, was ich hervorheben soll von einem Abend, der so wunderbar war. Vielleicht einfach bei Scott Alan, dem Komponisten, dessen Talent mit diesen Konzerten gewürdigt wurde. Alan komponiert und textet kleine Geschichten, seine Lieder versteht man auch ganz ohne lange Erklärungen. Inspiriert wird er dabei sehr oft von seinem eigenen Leben, wichtigen Ereignissen und Meilensteinen seiner Vergangenheit und trotzdem kann man sich problemlos hineinfinden in diese Welt. An seinem eigenen Maßstab gemessen (s.o.) hat er eindeutig mehr als nur einen "good song" geschrieben. Auf der Setlist standen Lieder aus allen bisherigen Schaffensperioden, vertreten auf den drei bisher erschienen CDs Keys, Dreaming Wide Awake und What I Wanna Be When I Grow Up. Auf besagten CDs werden die Songs übrigens von (bekannten) Broadwaystimmen interpretiert und die Darbietungen um Gablitz mussten den Vergleich auch nicht scheuen.

Damit wären wir schon beim Cast des Abends, bestehend aus Rita Sereinig (der wir auch die Idee zum Evening Without verdanken), Ruth Kraus, Tom Delbeke, Philipp Hägeli, Jürgen Kapaun und Markus Richter. Scott Alan, der "Geschichten-Komponierer", braucht Interpreten/Interpretinnen, die diese Geschichten nicht nur singen, sondern dabei auch erzählen können und Rita Sereinig hat sie um sich gesammelt. Allen voran Philipp Hägeli, der mich unglaublich beeindruckt hat. Bisher war er mir (wie ich zu meiner Schande gestehen muss) nur aus der Sat1-Castingshow Ich Tarzan, du Jane bekannt. Da hab ich einen Sänger verpasst, der einen von der ersten Sekunde berühren und in seinen Bann ziehen kann. Wenn er bei "Again" vor der Frau steht, die er liebt und sie anfleht den anderen nicht zu heiraten, dann trifft einen das direkt ins Herz. Doch Hägeli als ersten zu nennen, ist fast unfair allen anderen gegenüber, die nicht minder zum Erfolg dieses Abends beigetragen haben. Auch Jürgen Kapaun und Markus Richter verstehen es, sich die Lieder Scott Alans zu ihren eigenen zu machen und Momente zu schaffen, bei denen man die großen Stimmen vergisst, die auf den CDs zu hören sind. Neben den ausgebildeten Musicaldarstellern schlägt sich auch Tom "der Belgier" Delbeke, der im "echten Leben" Pilot ist, hervorragend. Wenn man es nicht wüsste, würde man nicht vermuten, dass er nicht professionell singt. Seine Stimme ist von einer Wärme und Klarheit und auch einer erfrischenden Natürlichkeit, die man nicht oft hört und wunderbar zu den verletzlich, ruhigen Songs wie "Surrender" oder "Now" passt. Nicht zu vergessen natürlich auch die beiden weiblichen Stimmen, Rita Sereinig und Ruth Kraus. Scott Alans Lieder für Frauen sind nicht einfach, sie erfordern oft einen großen Stimmumfang und schauspielerisches Talent. Die beiden meistern diese Herausforderung mit Bravour. Rita Sereinig trug mit einem herrlich komischen "His Name" auch dazu bei, das Heitere in Scott Alan hervorzuheben.
Zwischen den  Songs wurden fröhlich moderiert und ein bisschen von Scott Alans Werdegang erzählt, die Lieder eingebettet in einen Kontext und kleine Anekdoten aus der Entstehungsgeschichte des Evenings Without erzählt. Niemals wirkt das angestrengt oder aufgesetzt und wenn einer sein Stichwort verpasst, kann man gar nicht anders als mit ihnen zu lachen.

Das Team komplettierten die Musiker, und zwar Bernd Leichtfried am Piano, Hana Yamazaki am Cello sowie Tom Delbeke an der Gitarre (ja, der Mann ist nicht nur Pilot und kann singen, sondern spielt auch Gitarre und ist Tontechniker). Yamazaki ist übrigens Senior Flight Attendant bei der gleichen Fluglinie wie Delbeke und Hägeli erzählt seine Version, wie die beiden ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik entdeckten, sehr witzig. Die drei schaffen den perfekten Klangteppich, sodass die Stimmungen schon vom ersten Ton an im Raum schweben. Beeindruckend auch wie gut eigentliche Soli als Duette, Terzette oder für alle arrangiert funktionieren (dafür verantwortlich Delbeke und Leichtfried).

Mein Fazit: Ein Abend, bei dem alles passte und der nach einer baldigen Wiederholung schreit. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die letzte Vorstellung heute (08. Oktober 2011) nicht entgehen lassen. An Evening Without ... Scott Alan ist ein Erfolg auf ganzer Linie. Bitte mehr davon. Demnächst vielleicht An Evening Without ... Kerrigan&Lowdermilk oder Ryan Scott Oliver oder Jonathan Reid Gealt oder...

Setlist:

-    Let Love Begin (alle)
-    Hold on (Philipp Hägeli)
-    Behind These Walls (Ruth Kraus)
-    Never Neverland (Rita Sereinig & Jürgen Kapaun)
-    I will Remember You  (Markus Richter)
-    Surrender (Tom Delbeke & Jürgen Kapaun)
-    Always by Your Side (Ruth Kraus)
-    Over the Mountains (Jürgen Kapaun)
-    I Wish (Rita Sereinig)
-    Again (Philipp Hägeli)
-    Goodnight (Tom Delbeke & Markus Richter unterstützt von den Frauen)
-    Blessing (alle)

Pause

-    Good to see you again (Jürgen Kapaun)
-    Now (Tom Delbeke)
-    Kiss the Air (Philipp Hägeli)
-    Home (Rita Sereinig & Ruth Kraus)
-    How Did I End Up Here? (Markus Richter)
-    This Time (Philipp Hägeli & Ruth Kraus)
-    His Name (Rita Sereinig)
-    Take Me Away (Tom Delbeke)
-    The Journey (Jürgen Kapaun, Philipp Hägeli & Tom Delbeke)
-    The Distance You Have Come (alle)
-    If I Own Today (alle)

Im Web:
Meinungen anderer:

    Kommentare:

    1. ...war ebenfalls gestern im Konzert. Es hat mir auch sehr gut gefallen! Wünsche mir viele Fortsetzungen mit neuen Komponisten :) Eine tolle Idee, ein gelungener Abend!

      Liebe Grüße,
      Julia

      AntwortenLöschen
    2. Hallo, Julia!

      Dann haben wir uns ja vielleicht gesehen ohne zu wissen, wer wir sind. ;-) Es wäre wirklich wünschenswert, wenn diese Konzertreihe fortgesetzt wird. Auf der Flyer-Postkarte steht ja "An Evening Without ... ist der Beginn einer geplanten Reihe von Abenden". Jetzt müssen die Pläne nur noch umgesetzt werden.

      Liebe Grüße,
      elisabeth

      AntwortenLöschen