Mittwoch, 17. April 2013

O wie Online im Theater

Letzens hab ich von Tweet-Seats gelesen und mein erster Gedanke war: Wirklich? Der Theatersaal als eine der letzten Offline-Domänen scheint an Boden zu verlieren. In einigen US-amerikanischen Theatern werden Plätze als Tweet-Seats deklariert, auf denen ganz offiziell das Mobiltelefon nicht ausgeschaltet wird und munter 140 Zeichen live während der Vorstellung in die Welt geschickt werden. Die Theater versprechen sich davon eine bessere Kundenbindung und Werbung.
Ob das tatsächlich sinnvoll ist? Ich bin sowieso nicht bei Twitter, aber ich kann mir vorstellen, wie es ist, zu Hause zu sein und die Nachrichten zu lesen. Wenn ich die Produktion kenne, ist es vielleicht ganz lustig "XY hat den Ton schon wieder nicht getrtoffen" zu lesen. Aber wenn nicht? Was habe ich als Daheimgebliebene davon?
Und im Saal? Ich persönlich werd meine Aufmerksamkeit auch in Zukunft sicherlich nicht vom Geschehen auf der Bühne abwenden. Die Tweet-Seats sind in den hintersten Reihen angesiedelt, um andere Zuschauer/-innen nicht zu stören. Ich kenne mich. Ich nehm sowieso schon viel zu viel aus den Augenwinkeln wahr. Das Licht der Displays würde mir gehörig auf den Keks gehen.

Dienstag, 16. April 2013

N wie Next to Normal

Vor gar nicht allzu langer Zeit wusste ich noch nicht einmal, dass die Stadt Fürth überhaupt existiert, geschweige denn, dass sie ein Theater besitzt. Mit der Ankündigung, dass genau dort die deutschsprachige Erstaufführung von Next to Normal stattfinden wird, hat sich das natürlich geändert. Next to Normal ist eines der spannendsten Projekte der letzten Zeit, mit einer intelligenten Story (Brian Yorkey) und guter Musik (Tom Kitt). Mit einer Sechs-Personen-Besetzung und ohne die Notwendigkeit für aufwändige Kulissen eignet es sich auch wunderbar für kleinere Theater. Ich würde sagen, es sollte sowieso nur in kleineren Theatern gespielt werden, damit sich die Atmosphäre richtig entfalten kann.
Für die deutsche Übersetzung zeichnet sich Titus Hoffmann verantwortlich. Zwei Lieder konnte man vor knapp drei Jahren schon bei der schreib:maschine in Berlin hören oder einfach hier auf youtube. Er wird auch inszenieren. Der Rest des Leading Teams: Christoph Wohlleben als musikalischer Leiter, Melissa King als Choreographin, Stephan Prattes für die Ausstattung.
Vor einer ganzen Weile wurde ein kurzes Video der Auditions ins Internet gestellt und seitdem drei der sechs Darsteller/-innen bekannt gegeben. Ich finde es ja irrsinnig mühsam, wenn Besetzungen nur so zizerlweis offiziell gemacht werden, aber was soll's, so viel wissen wir jedenfalls bereits:

Pia Douwes - Diana (die Mutter)
Sabrina Weckerlin - Natalie (die Tochter)
Dominik Hees -  Henry (Freund der Tochter)

Premiere ist am 11. Oktober 2013.

Im Web:

Samstag, 13. April 2013

L wie "Le Bien qui fait mal"

Aus Mozart - l'opéra rock, dem französischen Musical, das die legendäre (wenn auch historisch nicht ganz belegte) Rivalität zwischen Mozart und Salieri aufgreift. In diesem Lied drückt Salieri seinen Schmerz über das Genie Mozart aus.


Freitag, 12. April 2013

K wie Kinderverzahrer-Moment

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, mir ein paar Gedanke über Kostüme zu machen, aber bei meinem kürzlichen Besuch bei Elisabeth, ist mir mal wieder aufgefallen, wie gruslig eigentlich "Mama, wo bist du?" ist. Das Lied wird von einer Freundin und mir "der Kinderverzahrer-Moment" genannt. So wie auch die Szene in Les Misérables, in der Jean-Valjean im Wald auf Klein-Cosette trifft. Was die Frage aufwirft, ob es in jedem Musical mit Kindern so einen Moment gibt.

Donnerstag, 11. April 2013

J wie Josefstädter Theaterflohmarkt

Das Theater in der Josefstadt veranstaltet noch morgen, 12. April 2013 von 11 bis 15 Uhr einen Flohmarkt im Depot Aspern (Apsernstraße 69, 1222 Wien). Verkauft werden Möbel, Requisiten, Deko und Kostüme aus dem Fundus.

Mittwoch, 10. April 2013

I wie In German with English surtitles ("Elisabeth" im Raimund Theater, 10. April 2013)

Wenn schon die erste Zeile der Übertitel nicht richtig ist, kann das ja nichts Gutes verheißen, dass es so schlimm werden würde, war dann doch unerwartet. Wenn das sonore "Aber warum, Lucheni?" erklingt, liest man "Tell the court." Nun, das kann man noch künstlerische Freiheit nennen und ich bin die letzte, die nach einer wortwörtlichen Übersetzung verlangt, aber manchmal wird es wirklich lächerlich (wenn es nach Google-Translate klingt) oder enervierend (wenn nicht einmal der Sinn der jeweiligen Passage ankommt) oder auch verwunderlich (wenn ganze Zeilen dazu gedichtet werden oder manches ohne ersichtlichen Grund weggelassen wird). Vieles wäre silbentechnisch sogar singbar, allerdings hätte man sich besser auf den Inhalt denn die Form konzentriert.
Ein paar Beispiele zur Illustration (nicht alles wird immer im Wortlaut ganz stimmen, ich hab schließlich auch Besseres zu tun, als ständig die Übertitel zu lesen und mitzuschreiben, aber einen Eindruck bekommt man):

- Reden Sie keinen Unsinn > don’t be flippant

- Vater > Daddy (Ja, Elisabeth hat ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater, aber Daddy hat nicht die richtige Konnotation.)

- kein Kommen ohne Gehen > no shadow without light

- erfreulich > quite lawfully

- Bauernadel > pig farmer

- könntest du einmal nur durch meine Augen sehen > if I could walk in your shoes (Die geänderte Metapher ist mir recht, aber es müsste „you in my shoes“ heißen, um das Gleiche auszusagen.)

- ich hab dich verpasst > you are still distressed (Es scheint, manchmal hat man sich schlicht für Lautgleichheit entschieden.)

- Wenn Sophie bei "Eine Kaiserin muss glänzen" in den Übertiteln betont, dass es um Pflichten und nicht um Schönheit geht, ist es später etwas unverständlich, warum sie es plötzlich ("Uns're Kaiserin soll sich wiegen") befürwortet, dass Elisabeth sich ihrer Schönheit widmet.

- schließlich ist er abgeblitzt > though he's irresistible

- auch wenn man Toilette theoretisch mit toilet übersetzen kann, ist auch im Englischen toilette für die übertragene Bedeutung gebräuchlich

- Ansonsten geht's ihr gut, der Kaiser hört auf ihren Rat > her mother has no time, she helps his father rule the land (Wie bitte? Mit welchem Libretto wird denn hier gearbeitet?)

- nie kommt sie zur Ruhe, hetzt uns von Ort zu Ort > she buys horses, learns Greek now, writes poems (Zusatzinformation) EDIT: Korrektur, mea culpa, das korrespondiert natürlich nicht mit Elisabeths Hofdamen, sondern Franz Josephs Entourage und passt schon.

- ich kann den Kaiser ja verstehen > but then … I’m attracted to her

- und eine Frau mit einer Frau > to fight a witch you need a bitch

- irgendwo in Bellaria > she’s stirring up Hungary (noch mehr Zusatzinformation)

- Mir fällt nichts ein > well, then a few …

- Mama > mother (Warum gerade hier, an der emotionalen Stelle nicht das auch im Englischen gebräuchliche "Mama" - mit Betonung auf der zweiten Silbe und langem A - zum Einsatz kommen konnte, ist fraglich.)

- bei „Ich gehör nur mir“ und „Die Schatten werden länger (Reprise) hat man der Einfachkeit halber die bereits vorhandenen Übertragungen genommen. Wenn da nicht „the shades of night grow longer“ vorkommen würde, wäre es ja erträglich.

Ob man dem Publikum, das nicht Deutsch spricht, wirklich einen Gefallen tut, wage ich zu bezweifeln.

Verwunderlich: Restkarten in der 5. Reihe Parkett zu bekommen.

Erfreulich: die Besetzung. Oliver Arno als Tod zu sehen ist ein Erlebnis. Es ist so angenehm, wenn jemand tatsächlich singt und nicht schreit. Er zeigt eine ruhigere, erhabenere Interpretation der Rolle, in der man viel an der Mimik, Gestik und Körpersprache ablesen kann. Jörn-Felix Alt als Franz Joseph hat mich mindestens so beeindruckt wie Franziskus Hartenstein. Ganz besonders als gealterter Kaiser. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine so gute „Alt-Stimme“ gehört habe. Da stiehlt er bei „Boote in der Nacht“ Annemieke van Dam selbst mit weniger Text leicht die Show.

Dienstag, 9. April 2013

H wie Harry Freakin' Potter

Nehmen wir den heutigen Tag zum Anlass, um der Starkid-Truppe zu huldigen. Die parodistischen, ironischen,  Die liebevoll und gleichzeitig respektlos parodistischen Musicals der semiprofessionellen Gruppe genießen bei vielen längst Kultstatus. Ganz besonders gilt das für die Harry-Potter-Trilogie A Very Potter Musical, A Very Potter Sequel und das erst kürzlich auf Youtube gestellte A Very Potter Senior Year. Darren Criss, jetzt den meisten aus Glee bekannt, machte sich schon vor Jahren als Harry Potter einen Namen. Wirklich interessant sind aber die, sagen wir etwas alternativen Interpretationen anderer Charakterer. Lauren Lopez' Darstellung von Draco Malfoy übertrifft so ziemlich alles andere (Tom Feltons Reaktion darauf ist auch nicht schlecht).
Aber nicht nur Rowlings Welt ist vor ihnen nicht sicher. In Holy Musical B@man bekommen die Comicbuchhelden Batman und Superman ihr Fett weg. Starship widmet sich dem Sci-Fi-Genre, komplett mit Killer-Robotern und Alien-Käfern. Me And My Dick wiederum (das ich persönlich noch nicht gesehen habe) erzählt von der besonderen Beziehung, die Jugendliche mit ihren Geschlechtsteilen haben.
Das neueste Projekt ist schon in Planung und diesmal auf die Crowdfunding-Plattform Kickstarter angewiesen. Twisted soll die Disneygeschichte von Aladdin neu erzählen, vom Standpunkt eines tragisch, missverstandenen Helden aus: Jafar.

Im Web: